Proteste gegen Aufmarsch Rechtsextremer in Dresden
In Dresden haben zahlreiche Menschen gegen einen Marsch von Rechtsextremisten anlässlich der Gedenkfeiern zur Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg protestiert. Bereits am Vormittag versammelten sich Demonstranten im Zentrum der Elbestadt - sie blockierten unter anderem Straßen entlang der geplanten Aufmarschroute der Rechten.
Am späten Mittag wurde dann eine Blockade an der Ostra-Allee nahe der Dresdner Innenstadt geräumt. Laut einem dpa-Reporter gab es dabei lautstarken Protest. Nach Angaben der Polizei wurden rund 100 Personen nach und nach von der Fahrbahn getragen. Bei der Auflösung der Blockade wurde Augenzeugen zufolge auch Pfefferspray von der Polizei eingesetzt. Es soll mehrere Verletzte gegeben haben.
Die Polizei zog am Abend ein positives Fazit. „Wir haben unsere gesteckten Ziele erreicht. Das Recht auf Versammlungsfreiheit wurde gewahrt, Protest in Hör- und Sichtweise ermöglicht - und das während des gesamten Versammlungsaufzuges der Rechtsextremen“, sagte Polizeisprecher Mario Laske kurz vor Ende der Kundgebungen.
Laut Polizei gab es einige Straftaten, darunter die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Zu Zusammenstößen zwischen Rechten und Gegendemonstranten sei es aber nicht gekommen.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot in der Innenstadt im Einsatz, auch Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit, ein Polizeihubschrauber sowie eine Polizeidrohne waren ebenfalls im Einsatz.
Dresden sperrt sich gegen Vereinnahmung durch Rechtsextremisten
Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bomben zerstört worden. Nach Recherchen von Historikern verloren bis zu 25.000 Menschen ihr Leben. Rechtsextreme sehen darin ein Kriegsverbrechen der Alliierten.
Die Stadt Dresden wehrt sich immer wieder gegen Versuche, das Gedenken zu instrumentalisieren und die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges zu relativieren. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) warnte vor Mythenbildung und Geschichtsfälschung.
„Dresden steht für Versöhnung und Frieden. Wir stellen uns entschieden gegen alle, die unsere Gesellschaft spalten und gegen unsere demokratischen Grundwerte arbeiten“, erklärte Hilbert in einer Botschaft an die Demonstranten. „Unsere Stadt lebt von Respekt, Toleranz und dem gemeinsamen Einsatz für unsere Demokratie. Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger auf, Haltung zu zeigen: für unsere Verfassung, für eine offene Gesellschaft und für ein friedliches Miteinander.“ (dpa)