- Luchs Bardi aufgenommen von einer Wildkamera.
Einwanderer Bardi lässt die Luchs-Damen schnurren
Willkommener Einwanderer: Luchs Bardi streift durchs Erzgebirge. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit eindeutigem Herkunftsnachweis. Erstmals ist belegt, dass ein Luchs aus dem Böhmerwald nach Sachsen zugewandert ist. Seit Anfang Februar tappt der junge Kater immer wieder in Fotofallen rund um Eibenstock. Danach wurde seine Fellzeichnung abgeglichen. Bei Luchsen ist das ungefähr wie ein Personalausweis, nur hübscher und flauschiger. Ergebnis: Es ist Bardi.
Der Luchs wurde im Frühjahr 2024 nahe der nordöstlichen Grenze des Böhmerwalds geboren. Im Winter 2025 verließ er das Revier seiner Mutter. So macht man das als junges Luchsmännchen. Man packt nicht, man schleicht los.
Auf der Suche nach Revier und Romanze
Auf seiner Wanderung wurde Bardi nur einmal im Juli 2025 südlich von Pilsen bei Klatovy von Wildkameras erfasst. Seine genaue Route kennt deshalb niemand. Die Luftlinie von seiner Geburtsregion bis ins Westerzgebirge liegt bei etwa 160 Kilometern.
Offenbar hat ihn Luchsdame Alva in die Region gelockt. Zwischen Februar und April ist Paarungszeit. Da wird im Wald nicht nur geschnuppert, sondern auch konkurriert. Wahrscheinlich traf Bardi dort auf Luchsmännchen Chapo, der ebenfalls ein Auge auf Alva geworfen haben dürfte.
Gute Nachricht für RELynx Sachsen
Für das Projekt RELynx Sachsen ist Bardis Ankunft wichtig. Seit Spätsommer 2024 wurden im Eibenstocker Forst sieben Luchse ausgewildert. Dazu gehören Alva und Nova aus dem Schweizer Jura sowie Freya, Juno, Anton, Chapo und Charlie aus Gehegehaltung. Anton wurde überfahren. Zwei weitere Luchse sollen im Spätsommer 2026 folgen.
Das Projekt läuft seit 2022. Der Plan: binnen fünf Jahren 20 Karpatenluchse im Erz- und Elbsandsteingebirge ansiedeln. So soll eine Population entstehen, die Luchse in Tschechien, dem Harz und Thüringen verbindet.
Politik schaut aufs Geld
Das Programm kostet 1,8 Millionen Euro. Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch sieht es wegen leerer Kassen kritisch. Man habe mit Birkhuhn und Wolf genug zu tun, sagte der CDU-Politiker sinngemäß. Außerdem hätte man den Luchs nicht unbedingt 2024 auswildern müssen. Bardi liefert nun den Katzenfreunden ein Argument. Er kam von selbst zu den ausgewilderten Luch-Weibchen. Ein Zeichen, dass das Zuchtprogramm funktionieren könnte.
