Zweite Studie bestätigt: Kaum Infektionen in Sachsens Schulen

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Autor: dpa

Keine akute Infektion, nur vereinzelt Antikörper, aber psychische Folgen des Lockdown - das sind die Ergebnisse einer weiteren Corona-Studie an sächsischen Schulen im Mai und Juni. «Die akute Ansteckung lag bei Null, von 2599 Kindern und Lehrern war keiner infiziert», sagte Professor Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse in Dresden. In 0,6 Prozent von 2338 Blutproben (14 Proben) fanden sich Antikörper als Hinweis auf eine überstandene Corona-Infektion.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kündigte an, dass das neue Schuljahr am 31. August im «Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen» beginnt. Angesichts weiter geringer Infektionszahlen sei eine generelle Maskenpflicht für Schulen im Moment unnötig. Ein Vier-Stufen-Plan enthalte jeweils Maßnahmen bei bis zu 20, bis zu 35, bis zu 50 oder mehr Neuinfektionen, um bei lokalen Ausbrüchen in Schule oder Kita Infektionsketten schnell zu unterbrechen und Schließungen zu vermeiden oder zu begrenzen. Auch im Quarantänefall soll dann anhand von Aufgaben zu Hause gelernt werden.

Kinder seien im untersuchten Zeitraum kaum von Corona betroffen gewesen, fasste Kiess die Studienergebnisse zusammen, die eine Analyse seiner Dresdner Kollegen vom Juli bestätigen. «Also wer da über Schulschließungen reden will, den kann ich nicht verstehen.» Rachenabstriche und Blutproben wurden von Schülern und Lehrern an zehn Grundschulen und neun Gymnasien in Dresden, Leipzig, Borna, Zwickau und Werdau genommen. Im September/November sollen die Tests wiederholt werden.

Auch nach dem Resümee der Dresdner Forscher hatten sich Schulen nach ihrer Wiedereröffnung in der Corona-Krise nicht als Schwerpunkte bei Infektionen erwiesen. Aus ihrer Sicht wurde die Dynamik der Virusverbreitung überschätzt. Sie hatten für ihre Studie zum Immunitätsstatus von Schülern und Lehrern im Mai und Juni über 2000 Blutproben aus Dresden und dem Landkreis Bautzen untersucht.

Die Leipziger Mediziner fragten zudem 900 Kinder und Jugendliche nach psychischen Folgen der Schulschließungen. Beklagt wurden laut Kiess ein Verlust von Lebensqualität «und Fröhlichkeit», vor allem in Familien mit Armut und niedriger Bildung. «Die fehlende Tagesstruktur, nicht aufstehen zu müssen für die Schule, wird als Verlust angesehen.» Dazu kämen ein massiver Anstieg der Mediennutzung und Kontaktverlust zu Gleichaltrigen. «Kuscheln, sich in den Arm nehmen, das ist wichtig», sagte der Kinderarzt.

Corona löst zudem Sorgen um Familie und Zukunft aus, bei Mädchen vorrangig auch um die Gesellschaft. «Über ein Fünftel der Kinder findet, dass das Leben nie wieder so sein wird wie vor Covid-19», berichtete Kiess. «Und drei Viertel sagten von sich aus, ich möchte bitte wieder in die Schule gehen.» Fazit: Schulschließungen schaden denen massiv, «die sowieso wenig an Bildung teilhaben».

Kultusminister Piwarz sieht damit Sachsens Entscheidung für die Schulöffnung im Mai bestätigt und und damalige Vorwürfe der «Unverantwortlichkeit» widerlegt. «Schulschließungen können nur die absolute Ultima Ratio sein, wenn Infektionszahlen keine anderen Schritte zulassen.» Landesweit infizierten sich bisher 5543 Menschen mit Sars-CoV2, die Zahl der Fälle erhöht sich seit Wochen nur geringfügig - Piwarz hofft, dass das trotz Urlaubsrückkehrern so bleibt.

«Wir sind gut vorbereitet auf den Schuljahresstart, aber wir schauen auch auf das, was um uns herum passiert», sagte der Minister. Die Schulen entscheiden eigenverantwortlich wie bisher über das Tragen von Masken außerhalb des Unterrichts, auf den Fluren oder dem Schulhof. Piwarz appellierte, sich an die Regeln zu halten, solidarisch zu sein. «Es hängt am Verhalten von uns allen, ob Kinder betreut und beschult werden können.»

Auch Kiess hält eine Maskenpflicht an den Schulen in Sachsen nicht für nötig. Im Herbst müsse das neu bewertet werden, wenn es wegen der Jahreszeit allgemein mehr Infektionskrankheiten und auch mehr Corona geben werde.