Wer hat an diesem Brunnen mitgebaut?
Manche Dinge verschwinden leise – und bleiben trotzdem. Nicht im Blickfeld, aber im Gefühl. Der Hartmann-Brunnen ist so ein Ding. Jahrzehntelang stand er vor dem Bezirkskrankenhaus Karl-Marx-Stadt, plätscherte unbeirrt zwischen Alltag, Krankheit und Genesung. Heute sucht man nach denen, die ihn einst gebaut haben: Schweißer, Dreher, Monteure – Männer vom VEB Germania, die nach der Schicht noch Zeit fanden, für ihre Stadt ein Kunstwerk zu schaffen. Mit ölverschmierten Händen, einem Sinn für Schönheit und nach einem Entwurf vom legendären DDR-Designer Horst Hartmann. Sie sollen ihre Brunnen-Episoden erzählen.
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Was sie damals bauten, war mehr als ein technisches Gebilde. Drei Säulen aus Metall recken sich wie Maschinengeister in den Himmel, umgeben von kreisrunden Schalen, über die das Wasser in feinen Schleiern fließt. Es gluckert, es rieselt, es glänzt – und erzählt dabei von einer Zeit, in der Funktion und Poesie kein Widerspruch waren.
Die Rückkehr eines Vertrauten
Zehn mal zwölf Meter Kiesbett, darunter Pumpen, darüber Edelstahlteller. Ein Kreislauf, so ruhig wie das Atmen. 2018 musste das Ensemble dem Neubau weichen. Seitdem lag der Brunnen eingelagert, vergessen vielleicht – aber nie verloren. Nun soll er zurück. Nicht ans Klinikum, sondern dorthin, wo er einst entstand: nach Altchemnitz, auf das Gelände der ehemaligen Germania. „Hartmann’s coming home“ heißt das Projekt. Und es meint, was es sagt.
Ein Projekt aus Köpfen, Herzen und Taschen
Die Idee stammt von Jörg Meinel, Geschäftsführer der Firma swallow & sons GmbH, die das alte Germania-Industrieareal an der Schulstraße neu belebt. Seit über einem Jahr beschäftigt sich Meinel mit dem Brunnen – und mit der Frage, wie Stadt und Geschichte wieder zusammenfinden. Er kennt diesen Gemeinschaftsgeist aus der Schweiz und den USA. Nun auch aus Chemnitz.
Gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern bringt er das Projekt ins Rollen. Das Klinikum Chemnitz, auf dessen Gelände das Brunnenwasser einst plätscherte, gibt 5.000 Euro. Der Rest: Spenden, Zeit, Zuneigung. Rund 200.000 Euro wird die Sanierung kosten – für Technik, Aufarbeitung, Aufbau. Die Brunnenteile sind bereits geborgen. Jetzt fehlt nur noch eins: der Moment, wenn das Wasser wieder fließt.