- Die Basketballer Luca Kellig (re.) und Kevin Yebo waren bei der Einweihung der Motiv im Klinikum mit dabei.
Wenn Farben Seelen wärmen
Wer einmal durch einen Krankenhausflur gegangen ist, kennt dieses Gefühl: Weiß. Viel Weiß. Kühl, funktional, beinahe lautlos. Doch genau hier, in der Kinderklinik am Klinikum Chemnitz, hat sich etwas verändert. Und zwar spürbar.
Auf der Frühgeborenen-Intensivstation leuchten jetzt Igel, Bären, Waschbären, Eulen und Vögel von den Wänden. Keine kitschigen Bilder, sondern sorgfältig gestaltete Motive, die wirken, ohne sich aufzudrängen. Die Künstler Michael Gensen und Michael Schulze haben in nur vier Tagen eine Umgebung geschaffen, die mehr ist als Dekoration. Sie ist ein Angebot. An Eltern. An Mitarbeitende. Vielleicht auch ein bisschen an die Hoffnung.
Die Großen für die ganz Kleinen
Finanziert wurde das Projekt von den Niners Chemnitz und dem Verein Lukas Stern. Insgesamt 7.500 Euro flossen in die Gestaltung, ein Großteil davon kam aus Sponsorengeldern der Basketballer. Geld, das hier eine ungewöhnliche Rolle spielt: Es bringt keine Geräte, keine Technik – sondern Atmosphäre.
Und die ist gerade hier entscheidend. Denn die Station ist kein gewöhnlicher Ort. Jedes Jahr werden hier rund 350 bis 400 Frühgeborene und kranke Neugeborene betreut. 14 Plätze auf der Station, dazu vier Intensivplätze – Zahlen, die nüchtern klingen. Dahinter stehen jedoch Geschichten, Sorgen, Hoffnungen.
Mehr als nur Farbe
„Bisher waren die Flure unserer Frühgeborenenstation weiß. Das hat einen sehr nüchternen Eindruck gemacht“, sagt Chefarzt Dr. Axel Hübler. Die neue Gestaltung sei im Team entwickelt worden, Schritt für Schritt, mit Blick auf das, was wirklich gebraucht wird. „Die Ausgestaltung, die wir jetzt sehen, spricht viele sehr positiv an – Patienten, Eltern und auch unsere Mitarbeitenden. Durch die Farbigkeit und die Wahl der Motive.“
Doch nehmen die kleinen Patienten das überhaupt wahr? Wahrscheinlich nicht. Und doch ist genau das der Punkt. Es sind die Eltern, die hier entlanggehen. Die warten, hoffen, manchmal bangen. Kann ein gemalter Waschbär die Situation verändern? Vielleicht nicht. Aber er kann sie ein kleines Stück erträglicher machen.
Ein leiser Unterschied
Die Künstler arbeiteten mit Airbrush und geruchsneutraler Spezialfarbe auf Wasserbasis. Kein stechender Geruch, kein Risiko. Alles fügt sich ein in einen sensiblen Raum, in dem jedes Detail zählt.
Und so entsteht etwas, das sich schwer messen lässt. Kein medizinischer Fortschritt. Keine neue Methode. Sondern ein Gefühl. Ein Hauch von Wärme in einer Umgebung, die oft von Sorgen geprägt ist. Vielleicht ist genau das der Anfang von etwas Größerem: der Erkenntnis, dass Heilung nicht nur aus Technik besteht. Sondern auch aus Momenten, die leise gut tun.





