Weniger Teilnehmer bei Pro Chemnitz als erwartet
Einen Tag vor dem Jahrestag der tödlichen Messerattacke in Chemnitz hatte auch Pro Chemnitz wieder zur Demonstration aufgerufen. Polizei und Behörden schätzten, dass am Sonntagabend rund 450 Menschen dem Aufruf gefolgt waren. Angemeldet waren laut Stadt 1.000.
In den Reihen von Pro Chemnitz wurden Deutschland-Fahnen geschwenkt und es gab „Wir sind das Volk“-Rufe. Beobachtern zufolge wurde auch von einem Teilnehmer der Hitler-Gruß gezeigt. Die Polizei reagierte umgehend.
Erstmals setzte Pro Chemnitz auch Kinder als „Anheizer“ ein. Ein etwa Siebenjähriger lief vor dem Demonstrationszug und rief Parolen, die die Menge erwiderte. Beobachter bezeichneten das als „Missbrauch“ und sprachen von einem „widerlichen Verhalten“.
In Sicht- und Hörweite hatte sich Gegenprotest versammelt. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz. Die sächsische Landespolizei erhielt nach Angaben einer Sprecherin Unterstützung von der Bundespolizei sowie von Beamten aus Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte, Pro Chemnitz suche die Bühne. Im vorigen Jahr sei das dem Bündnis gelungen. „In einer Demokratie gibt es ein Versammlungsrecht. Das genießt gerade Pro Chemnitz“, sagte die Stadtchefin. Sie hoffe aber, „dass das Bild dieser Stadt nicht nur das ist“. Veranstaltungen wie das dreitägige Bürgerfest seien „die stärkste Antwort“ auf die Ereignisse vom vorigen Jahr.
Am 26. August 2018 war am Rande des Chemnitzer Stadtfestes ein Deutscher erstochen worden. Die Tat hatte eine Reihe von Demonstrationen in der Stadt ausgelöst. Auch Pro Chemnitz hatte mehrfach dazu aufgerufen. Die Wählervereinigung wird im sächsischen Verfassungsschutzbericht 2018 als rechtsextremistisch eingestuft.