• Der Professor (re.) an der Seite seines Verteidigers

Untreue-Prozess gegen Kriminologie-Professor in Weißwasser

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Er forschte jahrelang zu Kriminalität, zu Dunkelfeldern, Wirtschaftsspionage und Korruption,  er hat mehr als 30 Bücher geschrieben, nun ist er selbst ein Fall für den Staatsanwalt.  Seit heute wird dem pensionierten Kriminologie-Professor in Weißwasser der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 70-Jährigen Untreue in 18 Fällen vor. Er soll Gelder des Bundesforschungsministeriums von rund 50.000 Euro für sich verwendet haben. Damit habe er sich eine Einnahmequelle von einiger Dauer verschafft, so der Vorwurf.  

Der Professor hatte einen Auftrag für ein bundesweites Forschungsprojekt zur internationalen Arzneimittelkriminalität im Internet erhalten. Dafür bekam sein damaliger Brötchengeber, die Polizeihochschule Sachsen in Rothenburg, ein Budget fast 180.000 Euro. Der Wissenschaftler durfte über knapp 150.000 Euro verfügen. Er richtete ein eigenes Konto ein und überwies innerhalb des zweijährigen Projekts Geldbeträge an verschiedene Adressaten. „Damit habe ich die Helfer bezahlt. Wir mussten riesige Datenmengen auswerten“, verteidigte sich der Angeklagte.

Verwandte und Ehefrau eingespannt und bezahlt

Er wies den Vorwurf zurück, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.  „Es  war alles rechtens, was ich getan habe.“ Auf Studenten habe er nicht zurückgreifen können. „Sie durften keine Nebentätigkeit ausführen.“ Der damalige Rektor Kogel habe ihm empfohlen, sich Hilfskräfte zu suchen. Zu den insgesamt acht Helfern gehörten u.a. neben seinem Neffen, dem Mann seiner Cousine und einem kürzlich verstorbenen Cousin auch die Ehefrau des Professors. Sie erhielt vierstellige Beträge, z.B. 3.900 Euro für die Auswertung einer Bevölkerungsbefragung oder 4.200 Euro für die Aktenanalyse. „Dafür hatte sie nicht die erforderliche Qualifikation und auch keinen Vertrag“, so der Staatsanwalt. Damit habe der Angeklagte bewusst seine administrative Kompetenzen überschritten.

"Es ging mir um den Erfolg des Projekts"

Das bestritt der Ehemann. Als Verwaltungswirtin habe seine Frau die Kompetenz. Seinen Helfern zahlte er zwölf bis 13 Euro pro Stunde. „Es ging mir darum, das Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen. Das wäre ohne meine Frau nicht möglich gewesen.“  Auch bei der Auswahl der anderen Hilfskräfte sei es ihm auf die Fachkompetenz angekommen.

Von der Verwaltungsbürokratie überrollt?

Dem Rektor legte der Professor angeblich keine ausreichenden Belege für das Forschungsprojekt vor. Nur ein Teil wurde anerkannt. Der Fördermittelgeber forderte schließlich rund 120.000 Euro zurück. Später erstattete der Rektor Anzeige (vier Seiten) gegen den Kriminologen. „Es war für mich wie ein Schlag vor den Kopf.“ Der Angeklagte hatte bis dahin nach eigenem Bekunden ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Chef.  

Der Professor fühlte sich offenbar von der Verwaltungs- und Abrechnungsbürokratie überfordert. Er hätte einen Projektmanager gebraucht.    Ob es tatsächlich so war, soll in der Verhandlung geklärt werden. Der Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt.