++ EIL ++

Totschlagsprozess, nur weil er nicht das letzte Wort hatte

Zuletzt aktualisiert:

Das Urteil ist gefallen, die Zeugen wurden gehört, der Sachverhalt ist klar: Majed K. (48) hat seine Frau (34) in Aue getötet. Wegen Totschlags wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt. Und trotzdem steht der Syrer heute erneut wegen desselben Delikts vor dem Landgericht Chemnitz!

Ein Lapsus mit großer Wirkung

Der Prozess gegen den Familienvater muss neu aufgerollt werden, weil es in der ersten Verhandlung an gleicher Stelle zu einem Verfahrensfehler kam. Das war am 22. November 2023. Damals hatte der Angeklagte bereits sein letztes Wort gesprochen, als dem Richter weitere Beweismittel vorgelegt wurden. Nachdem diese bewertet worden waren, vergaß der Jurist, Majed K. erneut das letzte Wort zu erteilen.

Ein Verfahrensfehler gemäß § 258 der Strafprozessordnung – und ein Revisionsgrund, den der Bundesgerichtshof anerkannte. Deshalb wird die blutige Tat ab heute erneut verhandelt. Eine Tat, die sich im April 2023 in Aue abgespielt hat.

Frau vor den Augen der Kinder erstochen

Die Tat war grausam. Im April 2023 soll Majed K. seine syrische Ehefrau mit einem Messer und einer Fleischgabel regelrecht abgeschlachtet haben – mindestens zehn Stiche in den Hals! Der Auslöser: Sie wollte sich offenbar von ihm trennen. Das Schlimmste: Fünf der sechs gemeinsamen Kinder befanden sich in der Wohnung, als die Mutter starb. Im ersten Prozess forderte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch – der Angeklagte sei nicht steuerungsfähig gewesen.

Im neuen Prozess bekam er das letzte Wort - und eine geringere Strafe. Das Urteil: neun Jahre und sechs Monate.