• 17 Handgranaten sind im Februar 2019 am Dresdner Hauptbahnhof in einem Auto entdeckt worden. (Foto: Bundespolizei)

    17 Handgranaten sind im Februar 2019 am Dresdner Hauptbahnhof in einem Auto entdeckt worden. (Foto: Bundespolizei)

  • (Foto: Bundespolizei)

    (Foto: Bundespolizei)

  • (Symbolbild: T. Plunert)

    (Symbolbild: T. Plunert)

Terrorverdächtiger von Paris nach Granatenfund am Dresdner Hauptbahnhof gefasst

Zuletzt aktualisiert:

Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat einen terrorverdächtigen Bosnier wegen Beteiligung am Anschlag in Paris vom 13.11.2015 festnehmen lassen. Damals waren 130 Menschen gestorben und 683 verletzt worden. Die beglischen Behörden haben in diesem Zusammenhang nach einem 39-jährigen Bosnier europaweit gefahndet. Und auf diesen Mann sind nun die Dresdner Ermittler gestoßen:

Im Februar 2019 war am Dresdner Hauptbahnhof dem Zoll ein Auto auf der Bayrischen Straße aufgefallen, darin wurden 17 scharfe Handgranaten entdeckt. Ein Spürhund hatte hinter der Kofferraumverkleidung die Kriegswaffen erschnüffelt. Zwei Bosnier wurden festgenommen, sie sitzen seitdem in Sachsen in Untersuchungshaft. Sie sollen mit dem Waffenhandel Drogengeschäfte finanziert haben.

Wie Jürgen Schmidt von der Dresdner Staatsanwaltschaft bei uns im Interview sagte, sei damit seines Wissens kein Anschlag in Dresden geplant gewesen. Vielmehr wollten sie mit den Waffengeschäften Geld machen. Von diesen beiden Männern stießen die Ermittler nun auf den dritten Bosnier, der im Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris gesucht wurde. Die Auslieferung des Mannes nach Belgien wird geprüft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Mann wurde südlich von Halle/Saale bei Bad Dürrenberg gefasst. Den Namen des Verdächtigen gab die Staatsanwaltschaft mit Adis A. an.

Bei den Anschlägen in Paris im November 2015 hatten Terroristen des Islamischen Staats (IS) 130 Menschen getötet. In der Konzerthalle "Bataclan" richteten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants wurden beschossen, am Stade de France sprengten sich Selbstmordattentäter in die Luft.

Audio:

Interview mit Jürgen Schmidt von der Dresdner Staatsanwalt

Mitteilung der Staatsanwaltschaft

Der Staatsanwaltschaft Dresden und dem Bundeskriminalamt ist in der Nacht vom 19. zum 20.06.2019 die Festnahme eines 39-jährigen bosnischen Staatsangehörigen gelungen, der im Verdacht steht, in Verbindung mit dem Terroranschlag vom 13.11.2015 in Paris zu stehen. Dieser geriet im Rahmen von weiteren Ermittlungen, die die Staatsanwaltschaft Dresden und das Bundeskriminalamt in dem Verfahren gegen zwei bosnische Staatsangehörige wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz geführt haben (siehe gemeinsame Medieninformation der Staatsanwaltschaft Dresden und des LKA Sachsen vom 20.02.2019) in das Visier der Ermittler.

Gegen den Beschuldigten besteht ein Europäischer Haftbefehl der belgischen Behörden wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Zusammenhang mit den Terroranschlägen u.a. auf die Konzerthalle "Bataclan" vom 13.11.2015 in Paris.

Im Rahmen der von der Staatsanwaltschaft Dresden und dem Bundeskriminalamt gegen den Beschuldigten geführten umfangreichen Ermittlungen konnte dessen Aufenthalt festgestellt und die Festnahme durch Spezialkräfte des Bundeskriminalamtes realisiert werden. Kriegswaffen oder sonst verbotene oder erlaubnispflichtige Gegenstände wurden bei dem Beschuldigten nicht aufgefunden, so dass die Staatsanwaltschaft Dresden in ihrem gegen den Beschuldigten geführten Verfahren keinen Haftbefehl beantragen konnte.

Der Beschuldigte wurde am 20.06.2019 aufgrund des bestehenden Europäischen Haftbefehls des Untersuchungsgerichts Brüssel dem Ermittlungsrichter vor dem Amtsgericht Merseburg vorgeführt und befindet sich derzeit in vorläufiger Auslieferungshaft.

Die Ermittlungen gegen ihn und die beiden weiteren bosnischen Staatsangehörigen dauern an. Aus ermittlungstaktischen Gründen können derzeit keine weiteren Informationen zum Gesamtsachverhalt gegeben werden.

Für das Auslieferungsverfahren des 39-jährigen bosnischen Staatsangehörigen ist die Generalstaatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt zuständig.

Die Mitteilung der Bundespolizei zum Granatenfund im Februar 2019

In den Nachmittagsstunden des 18.02.2019 kontrollierten Beamte der Bundespolizei einen am Hauptbahnhof im Parkverbot stehenden Mercedes ML. Bei den beiden Insassen handelte es sich um zwei bosnische Staatsangehörige im Alter von 17 und 28 Jahren. Die Beamten hatten aufgrund der gemachten Angaben bei der Befragung Zweifel an der legalen Einreise und dem legalen Aufenthalt im Bundesgebiet und betrieben weiterführende Ermittlungen diesbezüglich.

Dafür wurden die beiden Personen in die Diensträume der Bundespolizei verbracht. Bei einer Durchsuchung der Personen wurde bei einem eine Kleinstmenge einer betäubungsmittelähnlichen Substanz aufgefunden.

Im Zuge dessen wurde das Fahrzeug durch einen Diensthund des Zolls durchsucht. Dieser konnte keine weiteren Betäubungsmittel auffinden, jedoch wurden so -17- Handgranaten hinter der Verkleidung im Kofferraum entdeckt. Daraufhin erfolgten weitreichende Absperrmaßnahmen der Bundespolizei im und um den Hauptbahnhof Dresden.

Die Personen wurden vorläufig festgenommen und befinden sich im Polizeigewahrsam. Aktuell werden durch das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen die Handgranaten auf Inhalt und Funktionsfähigkeit und die Übernahme der Ermittlungen geprüft.