Suchtverhalten im Lockdown
Ständig zu Hause sitzen, der Stress im Home-Office und viel zu wenig Bewegung: Die Auswirkungen der Corona- Pandemie stellen uns vor neue Herausforderungen. Zur Entspannung trinkt man dann abends doch ganz gerne mal ein Glas Wein oder hängt tagsüber mehr an seinem Handy.
Die Sächsische Landesstelle gegen Suchtgefahren warnt jetzt aber, dass die viele Zeit zu Hause das Suchtverhalten begünstigen könnte. Unter anderem ist zum Beispiel die Anzahl der Spielsüchtigen im letzten Jahr gestiegen. Doch wie entsteht eine Sucht? Wann erkenne ich, dass ich süchtig bin? Darüber haben wir mit Jakob Reichstein, Therapeut bei der Gesop-Suchtberatung Dresden, gesprochen.
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Wie entsteht eine Sucht?
Eine Sucht kann uns vermeintlich dabei „helfen“, von anderen Problemen abzulenken. Fühlen wir uns zum Beispiel aufgrund des Lockdowns einsam oder stehen im Home-Office unter psychischem Druck, versuchen wir, vor diesen Gefühlen zu entkommen. Daher suchen wir nach kurzfristiger Ablenkung oder Entspannung und verfallen in gewisse Verhaltensmuster. In Maßen ist das natürlich auch unbedenklich. Allerdings kann sich daraus ein Teufelskreis entwickeln, der für unser Leben immer drastischere Auswirkungen hat.
Der Beginn einer Sucht ist zunächst mit einem positiven Erlebnis verbunden. Bei einer Spielsucht könnte das zum Beispiel ein lustiger Zocker-Abend mit Freunden oder ein Gewinn im Online-Casino sein. Aufgrund der positiven Erfahrung wollen wir das Erlebnis natürlich wiederholen. Daraus kann zunächst eine Gewohnheit werden. Daraus entwickelt sich dann möglicherweise eine Anhängigkeit.
Ab wann bin ich süchtig?
Sich eine Sucht einzugestehen, ist ein langer Prozess und außerdem nicht immer leicht. Denn wer gesteht sich schon gerne eine Schwäche ein? Dass wir z.B. an einer Spielsucht leiden, lässt sich an einigen Warnsignalen erkennen.
Dass unsere ursprüngliche Angewohnheit außer Kontrolle gerät ,merken wir, wenn es z.B. zu finanziellen Problemen kommt. Da wir das Geld, welches wir eigentlich für alltägliche Käufe wie Essen, nun bei Sportwetten oder in Online-Casinos ausgeben.
Außerdem kommt es auch in emotionaler Hinsicht zu Veränderungen. Zum Beispiel eine gewisse Fixierung auf eine Angewohnheit. Können wir auch ohne gewisse Verhaltensmuster klarkommen, oder haben wir zum Beispiel ein ungutes Gefühl oder werden aggressiv, wenn der Computer z.B. mal einen halben Tag ausbleibt?
Der Caritasverband hat dazu eine genaue Check-Liste erstellt. Die finden Sie hier.
Was kann ich tun, wenn ich süchtig bin?
Wichtig ist, dass wir unsere Scham- und Schuldgefühle überwinden. Eine Sucht ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit, die jeden Menschen treffen kann. Gerade in einer Ausnahmesituation wie derzeit.
Daher ist das Eingestehen des eigenen Problems der erste Schritt für dessen Überwindung. Wenn wir das einmal gemacht haben, sollten wir uns anderen Menschen anvertrauen. Eine Sucht zu verheimlichen, könnte diese sogar noch verschlimmern. Ob Lebenspartner oder die beste Freundin – wenn wir bei der Überwindung unserer Sucht Menschen an unserer Seite haben, kann das eine große Hilfe sein.
Außerdem sollten wir uns unbedingt professionelle Beratung suchen. In Dresden und Umgebung gibt es zahlreiche Suchtberatungsstellen. Dort können die Gründe für die Sucht - und wie intensiv wir von unserer Sucht betroffen sind aufgearbeitet werden. Anhängig davon können die Suchtberater ein therapeutisches Behandlungskonzept erstellen.
