Stadtrat macht Weg für Stadion-Umbau frei
Der Chemnitzer FC bekommt eine neue moderne Fußball-Arena. Mit einer Grundsatzentscheidung machte der Stadtrat am Abend den Weg für das 23 Millionen Euro teure Projekt frei. 35 Stadträte stimmten für den Stadionumbau, 19 dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Damit kann das alte Stadion ab kommenden Jahr bei laufendem Spielbetrieb umgestaltet werden. Geplant sind rund 15.000 Zuschauerplätze - alle komplett überdacht. Bauherr wird die kommunale Gebäudewirtschaft sein. Das Wohnungsunternehmen nimmt dafür einen Kredit auf, für den das Rathaus bürgt. Steht die neue Spielstätte, übernimmt die Stadt 20 Jahre lang die Miete von jährlich zwei Millionen Euro - der CFC zahlt lediglich die Betriebskosten. Der Verein soll sich erst an der Finanzierung beteiligen, wenn er dazu wirtschaftlich in der Lage ist, zum Beispiel nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga.Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig stellte das Stadionprojekt vor der Abstimmung noch ein mal ausführlich vor und warb bei den Stadträten um Zustimmung. Die Frage, ob sich Chemnitz solch ein neues Stadion leisten könne, beantwortete Ludwig mit Ja. Es werde nicht leicht, aber man werde das schaffen. Der Bau der neuen Arena sei eine Investition mit hohem Mehrwert für unsere Stadt, so Ludwig. Zugleich sei es ein Aufruf an die Unternehmen, sich stärker für den Club zu engagieren. Natürlich spiele der CFC nur Fußball, sagte das Stadtoberhaupt. Er tue dies aber mit dem Namen der Stadt. Diese Imagewirkung sei nicht zu unterschätzen.Petra Zais von den Grünen wollte vorher geklärt wissen, ob die Stadträte Eberhard Langer von den Linken und Wolfgang Meyer von der FDP eventuell befangen sind. Beide sind durch ihre Ämter im Vorstand bzw. im Aufsichtsrat dem CFC eng verbunden. Rechtsbürgermeister Miko Runkel konnte die Befürchtungen ausräumen. Man habe das geprüft, so Runkel. Laut Gemeindeordnung liegt keine Befangenheit vor. Grünen-Fraktionschef Thomas Lehmann wies auf die Risiken des Projekts hin. Es gehe nicht um Pro und Contra, so Lehmann. Der CFC brauche das Stadion, das sei unbestritten. Es gehe um das Finanzierungsmodell der Oberbürgermeisterin. Dies sei abenteuerlich, so Lehmann in seiner Rede. Die Grünen würden es ebenso ablehnen, wenn es um ein neues Museum oder ein Spaßbad gehen würde. Für das Stadion-Projekt sprach sich Axel Brükom aus. Wir brauchen das Stadion, so der SPD-Fraktionschef. „Wir müssen auf unsere eigene Kraft vertrauen. Wenn wir es nicht schaffen, dieses Projekt zu stemmen, dann sind wir selbst schuld. Dann werden alle sagen, seht, nicht mal das bekommen die in Chemnitz auf die Reihe.“ Um die letzten Bedenken auszuräumen, habe man gemeinsam mit der CDU und den Linken einen Änderungsantrag eingebracht. Darin wird unter unter anderem für die Baukosten eine Obergrenze von maximal 25 Millionen Euro festgeschrieben.Hubert Gintschel von den Linken kündigte an, dass seine Fraktion mehrheitlich dafür stimmen werde. Wir können damit Chemnitz wieder als Sportstadt etablieren, so Gintschel. Die Stadt baue die Arena nicht für den CFC, sondern für die Leute, die rein gehen. Auch die Vorbildwirkung bei den jungen Chemnitzern sei nicht zu unterschätzen. Viele Nachwuchsfußballer der Chemnitzer Vereine würden sich am CFC orientieren. Almut Patt von der CDU kritisierte, dass dem Projekt die solide Basis fehlt. Woher sollen die zwei Millionen Euro Mietkosten kommen, fragte die CDU-Abgeordnete. Darauf habe sie bis heute keine Antwort bekommen. Wer das Stadion haben will, muss sagen, woher das Geld kommen soll. Die Oberbürgermeisterin habe ihr nur gesagt, man müsse Mut zeigen bei solch einer Entscheidung. Patt erklärte, sie unterscheide aber zwischen Leichtsinn und Mut. Das vorliegende Konzept halte sie für einen Blankoscheck, der ihr zu riskant erscheint. Sie könne es deshalb nicht verantworten, diese Finanzierung mitzutragen.Viel Applaus von der Menge vorm Rathaus bekam Wolfgang Meyer von der FDP, der im CFC-Shirt ans Rednerpult trat. Er warf den Gegnern des Projekts Scheinheiligkeit vor. Man könne nicht das Stadion wollen, gleichzeitig aber die Zustimmung für seinen Bau verweigern. Stimme der Stadtrat gegen das Projekt, würden alle Abgeordneten als die Deppen von ganz Sachsen dastehen, so Meyer. Sein Parteikollege Andreas Schmalfuß hielt dagegen. Die Stadt habe einen riesigen Investitionsrückstau bei vielen Sportanlagen. Ihn wundere es, daß Kämmerer Berthold Brehm nicht in der Lage ist, einen Finanzierungsplan vorzulegen. Das zeige, daß die Stadtverwaltung die Finanzsituation nicht im Griff habe.Klarheit von der Landesdirektion forderte FDP-Stadtrat Dieter Füßlein. Die Aufsichtsbehörde müsse dem Projekt zustimmen. Das könne sie aber nur, wenn ihr konkrete Zahlen zur Finanzierung vorliegen, kritisierte der Bauunternehmer. Er wolle genau wissen, was das ganze am Ende kostet. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig konterte: Wenn Füßlein so an seine eigenen Bauprojekte gehen würde, könne er sich an keiner Ausschreibung beteiligen.Als gegen 18:30 Uhr das Ergebnis der Abstimmung bekannt gegeben wurde, fiel Barbara Ludwig ein Stein vom Herzen. Auch die Fans, die die Ratssitzung auf dem Neumarkt über eine Leinwand verfolgt hatten, brachen in Jubel aus.