Stadt räumt Versagen beim Krisenmanagement ein
Nach der Hochwasserkatastrophe am Wochenende hat die Stadtverwaltung Fehler im Krisenmanagement eingeräumt. Die Feuerwehr war bereits am Freitag vom Landeshochwasserzentrum vorgewarnt worden, hatte dies aber offenbar nicht ernst genommen - Alarm wurde erst am Samstagmorgen kurz vor 6 Uhr ausgelöst. Weil alle verfügbaren Kräfte im Einsatz waren, konnte die Bevölkerung nicht mehr gewarnt werden. Es gab niemanden, der mit Lautsprecherwagen hätte in die Katastrophengebiete fahren können. Dies sei nur vereinzelt geschehen, räumte der Leiter des Krisenstabes, Berthold Brehm ein. Auch die Polizei hätte hier nicht helfen können, sagt Brehm. Sie sie auch mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz gewesen. Das Wasser sei dann sehr schnell angestiegen und habe innerhalb kürzester Zeit mehrere Warnstufen übersprungen. Zu diesem Zeitpunkt seien die Hochwassergebiete schon nicht mehr erreichbar gewesen. Auf die Idee, die Anwohner übers Radio zu informieren, kam allerdings niemand. Auf die Frage, warum das nicht geschehen sei, gab es in der Pressekonferenz der Stadtverwaltung nur betretene Gesichter und Ratlosigkeit. Dies habe nicht im Plan gestanden, versuchte sich Berthold Brehm zu erklären. In Zukunft werde man dies aber wohl stärker in Betracht ziehen. Dementiert wurden inzwischen Gerüchte, wonach in Stollberg eine Schleuse geöffnet wurde. Die Talsperre Querenbach sei lediglich kontrolliert übergelaufen, hieß es von der Landestalsperrenverwaltung. Die Wassermassen flossen zunächst in die Gablenz, die wiederum mündet in die Würschnitz.Nach der Flut 2002 war die frühzeitige Information Bevölkerung angemahnt worden. In einem Schreiben der Stadt hieß es damals: "Zur Gefahrenabwehr wurde für Chemnitz ein Hochwasserschutzplan aufgestellt und ein Wasserwehrdienst eingerichtet. Damit sind die erforderlichen personellen, sachlichen und organisatorischen Maßnahmen für die Gefahrenabwehr getroffen. Dieser Dienst gewährleistet die direkte Aufklärung über Gefahren für die Bevölkerung, warnt rechtzeitig und sorgt für die Bereitstellung notwendiger technischer Mittel zur Hochwasserbekämpfung."Das Bürgertelefon der Stadt Chemnitz bleibt weiter geschaltet: Unter der Rufnummer 0371 488 1588 können sich Bürgerinnen und Bürger oder Firmeninhaber täglich von 8 bis 20 Uhr mit allen Fragen, Anliegen und Sorgen melden. Erstes Anliegen ist, unbürokratisch Hilfe zu organisieren: Wer beispielsweise noch Hilfe bei Aufräumarbeiten benötigt, kann sich an das Bürgertelefon wenden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen auch erste Schadensmeldungen auf, damit sich die Stadt ein Bild vom Ausmaß der Schäden machen kann, die nach dem Rückgang des Hochwassers sichtbar geworden sind. Die-E-Mail-Adresse hochwasserhilfe@stadt-chemnitz.de ist ebenfalls für diesen Zweck geschaltet. Am Bürgertelefon können sich nach wie vor auch freiwillige Helfer melden, die anderen ihre Unterstützung anbieten möchten.