Stadt muß Neonazis am Friedenstag marschieren lassen
Die Stadt muß morgen am Jahrestag der Zerstörung von Chemnitz Neonazis marschieren lassen. In Abwägung des richterlichen Beschlusses, auf dessen Grundlage die Demo zugelassen wurde, müsse man den Marsch genehmigen, hieß es aus dem Rathaus. Weitere juristische Schritte hätten keine Chance auf Erfolg, sagte eine Sprecherin. Die Polizei bereitet sich unterdessen auf einen Großeinsatz vor. An allen wichtigen Zufahrtsstraßen wurden Kontrollpunkte eingerichtet, um Gewatltäter und Störenfriede schon vorher aus dem Verkehr zu ziehen. „Es ist unerträglich, dass Oberbürgermeister in der gesamten Bundesrepublik immer wieder in diese Situation gebracht werden, in der Recht und Moral in einem so eklatanten Widerspruch stehen." beklagt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. "Es gibt die klare Erwartung der Bürgerschaft, dass der braune Spuk nicht ermöglicht werden soll. Und wir haben Gerichte, die immer wieder so entscheiden, wie sie offenbar entscheiden müssen. Dieses Dilemma ist bitter und für die Städte, die mit den Aufmärschen der Nazis konfrontiert sind, nicht aufzulösen.“ Das „Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz – Kein Platz für Nazis“ hat Bürgerinnen und Bürger anlässlich des Friedenstages zum friedlichen Protest aufgerufen. Der Aufruf ist inzwischen bereits von fast 350 Unterstützern, darunter zahlreichen Prominenten, unterzeichnet worden. Eine zentrale Veranstaltung des Bündnisses findet am Samstag ab 10 Uhr auf dem Theaterplatz statt. „Ich hoffe sehr, dass viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer morgen da sind und deutlich machen, dass in unserer Stadt kein Platz für Nazis ist. Es ist wichtig, friedlich und ohne Gewalt Haltung zu zeigen“, so Barbara Ludwig.