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Skandal um Schulsanierung in Kamenz - Kinder Gesundheitsgefahr ausgesetzt

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Schüler und Lehrer der Förderschule im Kamenzer Ortsteil Bernbruch sind mehr als 50 Tage gesundheitsgefährdenden Mineralwollfasern ausgesetzt gewesen. Die Fasern können Krebs auslösen. Das geht aus einem internen Zwischenbericht des Landratsamtes hervor. Der Schulbetrieb hätte nicht fortgeführt werden dürfen. 

Es seien gravierende Fehler passiert, gesteht die Kreisverwaltung. Als Bauherr will sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Nach unseren Informationen ermittelt auch die Kripo, und zwar zum Verdacht der Körperverletzung und Baugefährdung. Beim Polizeirevier Kamenz ist eine Anzeige eingegangen.  Der werde nach gegangen, sagte uns ein Polizeisprecher.

Die gefährlichen Mineralwollfasern wurden während der Sanierung des in den 1970er Jahren errichteten Baus freigesetzt, und zwar beim Austausch der Fenster. Der Schulbetrieb lief weiter, obwohl der Schulleiter frühzeitig Bedenken äußerte, so das erste Mal Anfang Oktober. „Einer Sanierung bei laufendem Schulbetrieb hätte nie zugestimmt werden dürfen.“

„Die Kinder hatten Unterricht in dem ganzen Baudreck“

Das Entsorgungskonzept sei nicht ausreichend umgesetzt, Hinweise des Schulleiters und von Lehrern ohne angemessene Reaktion zur Kenntnis genommen worden, räumt das Landratsamt ein. Vorwurf: Die Baubereiche seien nur unzureichend gereinigt  worden. Drastischer formuliert es ein Insider gegenüber unserem Sender: „Die Kinder hatten Unterricht in dem ganzen Baudreck.“ Es passierte wochenlang nichts. Erst als der Schulleiter die Ergebnisse einer von ihm veranlassten Materialprobe (Kostenvoranschlag: 250 Euro) vorlegte, zog die Kreisverwaltung die Reißleine. Die Schule wurde Anfang November geschlossen. Seitdem haben die 37 Förderschüler Unterricht in einem aufgegebenen Schulgebäude an der Macherstraße am Kamenzer Flugplatz.

Kreisverwaltung  bittet um Entschuldigung

Die Verantwortung für den Skandal sieht das Landratsamt bei mehreren Beteiligten: dem Projektleiter der Kreisverwaltung, bei Baufirmen und einem externen Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator. „Spätestens mit dem Fund der ersten Mineralwolle hätten die Bauarbeiten unterbrochen, weitere Schutzmaßnahmen eingeleitet und der Schulbetrieb an anderer Stelle fortgeführt werden müssen.“ Das Landratsamt als Bauherr hat arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet. Geprüft wird außerdem, ob Dritte ihre Pflichten verletzt haben. „Wir bitten Kinder und Lehrer um Entschuldigung für die Fehler, die hier passiert sind.“

Im Januar will das Landratsamt vor die Eltern treten und über die Situation und das weitere Vorgehen informieren.