Sechs Anträge für Großforschungszentren in Sachsen in der engeren Wahl

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Sie sind eine Runde weiter – die Perspektivkommission  hat sechs Anträge für Großforschungszentren im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier bestätigt. Damit können nun die Konzepte bis zur Entscheidungsreife vertieft werden. Dafür haben die Antragsteller ein halbes Jahr Zeit. Sie bekommen je eine halbe Million Euro.

Das Deutsche Zentrum für Astrophysik will Mega-Datenströme von Großteleskopen bündeln und verarbeiten. Dabei soll auch ein Gravitationsteleskop in der Lausitz errichtet werden. Der Antrag von Wissenschaftlern der TU Leipzig beinhaltet ein Zentrum für biomedizinische Forschung. Außerdem sollen in Sachsen neue, ressourcenschonende Baustoffe entwickelt werden – in einem „Lab – Lausitz Art of Building“.

Die ausgearbeiteten Konzepte werden von der Kommission begutachtet. Sie wird zwei für Sachsen auswählen - eins für das Lausitzer und eins für das Mitteldeutsche Kohlerevier. Der Bund fördert diese beiden Großforschungszentrum mit je 1,25 Milliarden Euro. Sie können im Sommer 2022 mit dem Aufbau beginnen.

"Mit der Empfehlung der Perspektivkommission sind wir nun ein gutes Stück vorangekommen. Bereits jetzt wird deutlich und konkreter, welche Möglichkeiten und Chancen es gibt, wichtige Zukunftsthemen in den Regionen zu verankern. Auch wenn die endgültige Entscheidung noch aussteht, ist schon heute klar, dass rund um die Großforschungszentren neue Perspektiven und gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen werden", erklärte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Jeweils rund 1.500 neue Arbeitsplätze sollen durch die Großforschungszentren geschaffen werden.

Die für die Konzeptionsphase empfohlenen Anträge:

Chemresilienz (Prof. Peter Seeberger, Potsdam): Um die Versorgung wichtiger Industriezweige wie Gesundheit, Verkehr, Energie, Landwirtschaft und Konsumgüter sicherzustellen, will »Chemresilienz – Forschungsfabrik im Mitteldeutschen Revier" eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft chemischer Erzeugnisse etablieren. Nachwachsende Rohstoffe, kurze Transportwege sowie lokale, kostengünstige und nachhaltige Produktionsprozesse sollen die Resilienz der deutschen Chemiewirtschaft sicherstellen – bei gleichzeitiger Einhaltung höchster Arbeitsschutz- und Umweltstandards.

CLAI_RE (Prof. Georg Teutsch, Leipzig): Das »Centre for Climate Action and Innovation – Research and Engineering” (CLAI_RE) will Klimadaten und -wissen bündeln. Auf dieser Basis sollen funktionale digitale Zwillinge von Ökosystemen geschaffen werden und Datenräume in ganz neuen Dimensionen entstehen. CLAI_RE will Handlungsoptionen für den Klimaschutz mit Fokus auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser, Planung urbaner Räume, Energieversorgung, Gesundheit und Mobilität entwickeln.

CMI (Prof. Jens Meiler, Leipzig): Die Initiatorinnen und Initiatoren des »CMI – Center for Medicine Innovation« nehmen neue Technologien zur Digitalisierung und Individualisierung der Medizin in den Fokus. Durch die Vereinigung von Medizintechnik, Digitalisierung und Medikamentendesign soll ein Zentrum der biomedizinischen Forschung und personalisierten Medizin entstehen. Versorgungs- und Wertschöpfungsketten sollen zu einem Ökosystem vereint werden, das die Integration neuer Produkte in Versorgungstrukturen erleichtert und beschleunigt.

Deutsches Zentrum für Astrophysik (Prof. Günther Hasinger, European Space Agency Spanien): In Sachsen sollen die riesigen Datenströme zukünftiger Großteleskope gebündelt und verarbeitet werden. Gleichzeitig sollen in einem neuen Technologiezentrum u.a. Regelungstechniken für Observatorien entwickelt werden. Dabei bauen die Verantwortlichen auf die Erfahrung und das moderne Umfeld der Industrie in Sachsen auf. Zudem wird die Option verfolgt, in den Granitformationen der Lausitz ein Gravitationsteleskop zu bauen.

ERIS (Prof. Carsten Drebenstedt, Freiberg): Das »European Research Institute for Space Ressources” – kurz ERIS – will wissenschaftliche und technologische Grundlagen für die Errichtung und den Betrieb von Weltraumstationen auf Mond und Mars erforschen. Auf dieser Basis will ERIS Lösungsansätze für gesellschaftlich relevante Herausforderungen auf der Erde entwickeln. Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können neue Methoden und Technologien einen Beitrag dazu leisten, Ressourcen im Weltraum und auf der Erde sicherer, effektiver und umweltschonender zu nutzen.

LAB (Prof. Manfred Curbach, Dresden): Das »Lab – Lausitz Art of Building” adressiert einen Paradigmenwechsel im Bauwesen: neue, ressourcenefziente und klimaneutrale Werkstoffe sowie modular geplante, hochexible und lange nutzbare Bauwerke sollen den enormen Ressourcenverbrauch im Bauwesen mindern. Das Konzept integriert die modernsten Ansätze der Materialforschung, der Produktionstechnologien und der Digitaltechnologien, sodass sich die Lausitz als arbeitsplatzwirksame europäische Modellregion für nachhaltiges Planen und Bauen entwickeln kann.