Roth & Rau verabschiedet Gründungsvater
Roth & Rau aus Hohenstein-Ernstthal trennt sich von einem seinem Gründer. Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze des Solarzulieferers ist Mitgründer Dietmar Roth heute offiziell als Vorstandschef verabschiedet worden. Bei einem Empfang am Firmensitz in Hohenstein-Ernstthal würdigte Ministerpräsident Stanislaw Tillich das derzeit kriselnde Unternehmen als "Vorzeigeunternehmen im Freistaat" und "Musterbeispiel für den sächsischen Mittelstand". Roth habe im Sommer 1990 den Mut gehabt, vom Wissenschaftler zum Unternehmer zu werden. Roth & Rau war im Juni 1990 von drei Wissenschaftlern in Chemnitz gegründet worden. Nachdem das Unternehmen im ersten Halbjahr 2011 aber mangels Aufträgen und wegen Umsatzverschiebungen tief in die roten Zahlen rutschte, verkauften die Firmengründer ihre Aktien an den Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger Technology, der seitdem die Mehrheit hält. Derzeit sind nach Firmenangaben 450 Mitarbeiter am Standort beschäftigt.Roth wechselt in den Verwaltungsrat von Meyer Burger, wo er sich mit der Integration der Hohenstein-Ernstthaler in die Gruppe befassen soll. Nachfolger des 62-Jährigen ist der vorherige Aufsichtsratschef Peter M. Wagner, der sich allerdings nur als Interimslösung sieht. Langfristig soll es keinen Vorstandschef mehr bei Roth & Rau geben. Wagner ist zugleich Präsident des Verwaltungsrates von Meyer Burger. Im Verlauf der Firmengeschichte hatte Roth & Rau zunächst vom Boom der Solarbranche profitiert. Allein in Hohenstein-Ernstthal wurden mehr als 25 Millionen Euro investiert und 550 neue Arbeitsplätze geschaffen. Inzwischen liegt die Zahl der Jobs am Standort nach Firmenangaben noch bei rund 450. Zur weiteren Entwicklung der Jobs wollte Wagner mit Blick auf die schwierige Branchenlage keine Angaben machen. Es habe auch noch keine Gespräche mit dem Betriebsrat gegeben, sagte er. Zum Jahresende wird auch Roths Frau Silvia aus der Firma ausscheiden, so dass von den drei Gründern dann nur noch Physiker Bernd Rau aktiv im Unternehmen verbleiben wird. Im Namen der Belegschaft dankte Vertriebsvorstand Thomas Hengst den Roths. Er lobte die familienfreundliche und nicht selbstverständliche "Business-Ethik" der Roths. Zugleich sprach er von einem „harten“ Kampf und schwierigen Zeiten für das Unternehmen. Zuletzt hatte sich der Abwärtstrend fortgesetzt: Für das dritte Quartal meldete Roth & Rau vor einem Monat mit Hinweis auf die Flaute in der Photovoltaikbranche einen operativen Verlust von 52 Millionen Euro.