Angeklagter zum Großröhrsdorfer Kirchenbrand: „Ich war es nicht!“
Am Landgericht in Bautzen hat heute der Prozess gegen den mutmaßlichen Kirchenbrandstifter von Großröhrsdorf begonnen. Der Angeklagte bestritt, die Tat begangen zu haben. Er sei zwar in der Nacht an der Kirche gewesen, aber mit dem Brand habe er nichts zu tun. „Zwei Typen“ hätten ihn gezwungen, dort zu erscheinen. Sie wollten wissen, wo seine Ex-Frau wohne, weil sie angeblich Schulden bei den beiden Männern hatte. Zugleich hätten sie ihm gedroht, seinen Kindern etwas anzutun. Er beschrieb den einen Mann als schlank, den anderen als stärker gebaut. Sie hätten „tschechisch ausgesehen“ und seien tätowiert gewesen.
Zwei Männer am Altarfenster
Die Männer will er zuvor im Waldbad Bernsdorf getroffen haben. Sie hätten ihn in der besagten Nacht zur Kirche bestellt. Zum Treffen sollte er zehn Liter Benzin mitbringen. Er sei zum vereinbarten Termin mit dem Fahrrad gefahren, „aber ohne das Benzin“. Einer der beiden Männer habe mit ihm gesprochen. Ihn habe er zur Wohnung seiner Ex geführt. Dann seien sie wieder zur Kirche zurückgekehrt. „Der andere stand ein Stück weg. “Alle Drei aber an der Kirche, eineinhalb Meter entfernt vom Altarfenster. „Plötzlich hat es geknallt. Die Wucht hat mich umgehauen, und die Männer rannten weg“, sagte der Angeklagte. Er sei anschließend mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, seine Hunde versorgt und sich dann hingelegt. Am nächsten Tag fuhr er zur Arbeit nach Franken. Wer den Brand gelegt hatte und was genau geschah, konnte er nicht sagen.
„Bibelstunde“ im Gerichtssaal
Der 41-Jährige Heizungsinstallateur aus einem Dorf bei Pulsnitz gab sich in seiner Erklärung als religiöser Menschen. Gutes zu tun, anderen zu helfen, sei sein Lebensmotto. „Warum sollte ich die Kirche anzünden? Dort wo ich Kraft und Trost finde“, sagte er und zitierte in seiner Erklärung aus der Bibel. Seinem früheren Geständnis in der polizeilichen Vernehmung widersprach der Angeklagte. Verteidiger Florian Berthold erklärte, dass die Angaben nicht verwendet werden dürften. Die Aussagen seien durch verbotene Vernehmungsmethoden erhoben worden. Er habe sie ohne Beisein eines Anwalts gemacht.
Kripovernehmer: „Der Angeklagte wollte die Kirchgemeinde schädigen“
Das Gericht hörte daraufhin einen der beiden Vernehmer der Polizei. Der Kripobeamte sagte aus, dass der Angeklagte ihm anvertraut habe, für den Brand verantwortlich zu sein. Er habe ihm geschildert, dass er mit dem Fahrrad nach Großröhrsdorf gefahren und durch einen nicht verschlossenen Seitenflügel in die Kirche eingedrungen sei. Im Altarraum habe er Benzin aus einer Plastikflasche verkippt. Von außen habe er dann einen brennenden Papierfetzen durch ein Fenster in die Kirche geworfen. Er sei verzweifelt und zornig gewesen, mit Blick auf seine familiäre Situation. Seine Frau hatte sich von ihm getrennt. Die drei Kinder sollte er nicht mehr sehen. Am Abend vor dem Brand habe er eine ganze Flasche Schnaps getrunken.. „Er wollte die Kirchgemeinde schädigen“, sagte der Kripobeamte aus. In der Stadtkirche von Großröhrsdorf hatte der Angeklagte seine Frau geheiratet. Ein Kind von ihm wurde dort getauft. Der gelernte Schreiner engagierte sich in der Gemeindearbeit.
„Von Gott werde ich freigesprochen“
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Brandstiftung vor. Durch das Feuer entstand nach einem Gutachten der Versicherung ein materieller Schaden von 32 Millionen Euro. Die Flammen zerstörten Dachstuhl und Kirchenschiff. Die Spitze des 50 Meter hohen Glockenturms brach zusammen. Historische Kunstschätze wurde ein Raub der Flammen, darunter eine geschnitzte Madonna aus dem 15. Jahrhundert und eine Nachbildung des Altars der Leipziger Thomaskirche.
Auf die Frage von Richter Heiko Philippi an den Angeklagten, ob er denn als Mann Gottes seine Aussagen vor Gott auch verantworten könne, antwortete er:: „Von Gott werde ich freigesprochen.“ Der Prozess wird fortgesetzt. Vorerst fünf Verhandlungstermine bis Ende Februar sind geplant.