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Piwarz: keine verlorene Schülergeneration durch Corona

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Corona hat nach Einschätzung von Kultusminister Christian Piwarz keine „verlorene Generation“ von Schülern hervorgebracht. Wer Oberschule und Gymnasium verließ, hatte vollwertige Abschlüsse in der Tasche, sagte der CDU-Politiker. Es habe an der Qualität keine Abstriche gegeben. Wegen Corona sei keine Prüfungsaufgabe verändert worden, so Piwarz weiter. Nun müsse aber untersucht werden, was die Pandemie mittel- und langfristig mit dem Schulsystem macht.

Das sehen auch Elternvertreter so. Sie befürchten in naher Zukunft erhebliche Nachteile für all die Kinder und Jugendlichen, die jetzt die Schulbank drücken und momentan von dem massiven Unterrichtsausfall betroffen sind. Lehrermangel, Quarantäne und andere krankheitsbedingte Ausfälle haben zu erheblichen Lernlücken geführt. Entsprechende Berichte von Eltern häufen sich. Das betrifft in diesem Schuljahr vor allem viele Erstklässler, aber auch Schüler an den Gymnasien und Oberschulen. Hier sind es zum Beispiel die 5. Klassen, deren Übergang von der Grundschule zur erweiterten Schule durchweg holprig verlief.

Piwarz räumt ein, dass Corona im Schulsystem wie eine Bremse wirkte: „Umso wichtiger ist es, jetzt wieder Fahrt aufzunehmen. Das tun wir bereits.“ Alle Kultusminister hätten dafür plädiert, die Schulen trotz der Infektionen offen zu halten. Schon seit einem Jahr gebe es keine flächendeckenden Schulschließungen mehr. „Es war nach dem Frühjahr 2021 klar, dass wir uns das nicht noch einmal erlauben können - weder mit Blick auf die Kinder und Eltern, noch auf das Schulsystem insgesamt.“

Schulschließungen gibt es allerdings immer noch: vorübergehend ganz oder nur teilweise, je nach Infektionsgeschehen. Für die betroffenen Schüler ist das immer wieder eine neue Belastung und Herausforderung. Sie müssen Aufgaben zu Hause lösen und sich Unterrichtsstoff selbst erarbeiten. An Gymnasien sind das teilweise sogenannte „Selbstlernstunden“, die gern auch als „Selbstorganisiertes Lernen“ bezeichnet werden. Nicht alle Schüler kommen damit klar, bei vielen bleibt auf die Dauer die Motivation auf der Strecke.

Piwarz verweist hier auf Förderprogramme. „Auch mit dem Programm 'Aufholen nach Corona' haben wir Fahrt aufgenommen. Damit sprechen wir gezielt Schülerinnen und Schüler an, die unter Corona besonders gelitten haben“, sagte Piwarz und warb sogleich um Geduld. Nicht alles könne sofort funktionieren. „Wir brauchen Zeit, genau wie die Kinder Zeit brauchen. Wir können ihnen nicht auf Teufel komme raus etwas eintrichtern. Sie müssen erst wieder an das Lernen und den schulischen Alltag herangeführt werden.“

Piwarz warnte davor, alles nur auf die Entschlackung der Lehrpläne zu reduzieren. „Das wäre zu billig, das allein bringt es nicht. Die Lehrpläne sind schon viel entschlackter, als viele meinen.“ Schon heute würden sie den Lehrern viele Möglichkeiten bieten, Prioritäten zu setzen und Stoff zu vertiefen. „Reduzierte Lehrpläne machen das Bildungssystem nicht automatisch besser. Es geht mehr darum, auf den einzelne Schüler einzugehen und spezielle Angebote zu unterbreiten.“ (mit dpa)