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Parkplätze! Die Pläne der Chemnitzer LINKEN

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Auf den ersten Blick scheint es ein Vorschlag zu sein, der das Leben der Autofahrer erleichtern soll. Aber wenn das große Ziel am Ende anschaut, wird es ganz sicher Prozest geben!

Der Vorschlag der LINKEN

Können die Autofahrer auf dem Kaßberg ihre Fahrzeuge über Nacht bald bei Lidl, Netto & Co. abstellen? Das schlägt Toni Späth, verkehrspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Stadtrat, vor – und schaut dabei nach Westen. Dort, in der Chemnitzer Partnerstadt Düsseldorf, wird das sogenannte „Feierabendparken“ schon praktiziert.

Feierabendparken als mögliche Lösung

Toni Späth: „Feierabendparken schafft kurzfristig Entlastung für überfüllte Wohnquartiere – ohne neue Flächen zu versiegeln oder weitere Straßenräume zu opfern.“ In Düsseldorf vermieten Supermärkte, Parkhäuser oder andere Einrichtungen ihre tagsüber genutzten Stellplätze abends und nachts an Anwohner. Kostengünstig, digital buchbar, unkompliziert. Die Kosten: vier Euro pro Nacht, 30 Euro pro Monat. Nach einer Testphase wurde das Angebot jetzt von 190 auf 1.500 Plätze erweitert. Allerdings gibt es einen Haken. Denn in Düsseldorf wird das Angebot nur auf Parkplätzen gut genutzt, die zentrumsnah liegen – in Randlagen bleiben die Flächen leer.

Ein Problem für den Kaßberg?

Das könnte auch das Problem auf dem Kaßberg werden. Denn auch hier sind die Supermärkte an der Peripherie des Stadtteils – und ob im Zentrum wohnende Autofahrer einen längeren Fußweg in Kauf nehmen, bleibt abzuwarten. Dazu fehlt bislang die notwendige Bereitschaft der Supermärkte, von denen einige im Gegenteil sogar Dienstleister damit beauftragt haben, Langzeitparker abzustrafen.

Antrag im Stadtrat geplant

In jedem Fall bringt die Fraktion der LINKEN im September einen Antrag ein, nach dem die Stadt prüfen soll, „ob ein Modellprojekt ‚Feierabendparken‘ (analog des Projektes in Düsseldorf) in Chemnitz möglich wäre. Als Modellstadtteil soll als erstes der Kaßberg in Blick genommen werden.“

Blick über den Supermarkt hinaus

Fraktionsgeschäftsführerin Sabine Brünler: „Wir wollen zunächst sehen, ob und wie das Angebot auf dem Kaßberg angenommen wird, weil dort die Probleme mit am größten sind. Dann kann man überlegen, das Modell in ganz Chemnitz anzuwenden.“ 

Das langfristige Ziel der LINKEN

Perspektivisch will die LINKE allerdings die „Abhängigkeit vom privaten PKW verringern“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Das Thema „Feierabendparken“ sei nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und lebenswerten Stadt. 
Um Alternativen zum Auto attraktiv zu machen, seien mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, mehr Radwege, besserer Nahverkehr und ein größeres Carsharing-Angebot notwendig.

Weniger Parkplätze auf der Straße

Die Vision der LINKEN liest man auch in der Pressemitteilung: „Wenn weniger Autos auf Gehwegen und Straßen parken, entsteht Platz für Spielmöglichkeiten, nachbarschaftliche Treffpunkte, kleine Cafés, lokale Läden oder einfach mehr Grün.“ 

UND: „Ein echter Rückbau der Stellplätze im öffentlichen Straßenraum muss Teil dieses Konzepts sein, um keinen Rebound-Effekt zu erzeugen.“ Im Klartext:  Eine deutliche Reduzierung der Parkmöglichkeiten in Chemnitzer Straßen, damit die Autos vor den Supermärkten abgestellt werden...