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OB Ludwig erhebt schwere Vorwürfe gegen Landesregierung

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Die Chemnitzer Oberbür­ger­meis­terin Barbara Ludwig (SPD) hat im Zusam­men­hang mit der Unter­brin­gung von Flücht­lingen schwere Vorwürfe gegen die sächsi­sche Landes­re­gie­rung erhoben. Der Freistaat habe keinen Plan, damit umzugehen, heißt es in einer Presse­er­klä­rung des Stadt­ober­haupts. Anlass der Kritik sind jetzt bekannt gewor­dene Pläne der Landes­di­rek­tion. Die Behörde prüft derzeit, den leerste­henden Praktiker-Baumarkt an der Werner-Seeelen­binder-Straße für die Unter­brin­gung von Flücht­lingen anzumieten. Die Presse­er­klä­rung im Wortlaut: „Erst vor einer Woche hat die Landes­re­gie­rung das Konzept für die von ihr zu organi­sie­renden und zu verant­wor­tenden Erstauf­nah­me­ein­rich­tungen in Sachsen öffent­lich gemacht. Endlich. Dass sich die Zahl der Flücht­linge, die in Sachsen unter­zu­bringen sind, verdop­peln kann, wissen die Bundes­länder aller­dings nicht erst durch die neue Asylbe­wer­ber­pro­gnose des BAMF. Die Wahrheit ist: Sachsen hat keinen Plan, damit umzugehen. Das Konzept greift frühes­tens ab 2017. Derzeit wird jedes Gebäude angemietet, was ein Dach hat und von privaten Eigen­tü­mern angeboten wird. Warum nutzt der Freistaat anstelle von Baumärkten seine eigenen Liegen­schaften und Gebäude nicht, um eine menschen­wür­dige Unter­brin­gung zu organi­sieren? Über 80 Prozent aller in der Erstauf­nah­me­ein­rich­tung unter­zu­brin­genden Flücht­linge in Sachsen befinden sich in Notun­ter­künften. Von den jetzt fast 7000 Menschen in der Erstauf­nahme in Sachsen sind über 2500 an rund zehn Stand­orten Chemnitz unter­ge­bracht. Dazu kommen eine Reihe, oft ebenso provi­so­ri­sche und überbe­legte Unter­künfte an verschie­denen Orten in Sachsen. Unter anderem in einem Baumarkt in Heidenau. Nun plant die Landes­re­gie­rung, einen zweiten Baumarkt in Chemnitz zu nutzen. Gerade dort, wo die Stadt in unmit­tel­barer Nähe die ihr als Kommune zugewie­senen Flücht­linge zum Teil in einer Gemein­schafts­un­ter­kunft unter­bringen will. Mit einem Unter­schied, der uns als Kommune wichtig ist: Wir arbeiten nach einem Unter­brin­gungs- und Betreu­ungs­kon­zept. Zwei Drittel der Flücht­linge bringen wir in Wohnungen unter. Unsere Gemein­schafts­un­ter­künfte sollen bewusst nicht mehr als 150 Plätze haben. Alle Stand­orte sind sensibel ausge­wählt, es wird zuvor infor­miert, Anwoh­ner­ver­samm­lungen werden geplant. Viele Bürger engagieren sich ehren­amt­lich. Was hat das Bemühen für einen Sinn, wenn der Freistaat genau in diesem Gebiet in einem Baumarkt rund 600 Flücht­linge unter unwür­digen Bedin­gungen unter­bringt und dafür mögli­cher­weise schon einen Mietver­trag über bis zu fünf Jahren abgeschlossen hat? Was sind der Kabinetts­be­schluss und damit die Aussagen der Landes­re­gie­rung wert, die gerade einmal eine Woche alt sind? Hier geht jede Glaub­wür­dig­keit verloren. Auch für uns als Kommu­nal­po­li­tiker, die wir direkt vor Ort um Akzep­tanz für die Integra­tion werben. Wir tun das aus tiefster Überzeu­gung und mit großem Engage­ment, aber unsere Glaub­wür­dig­keit ist gerade bei diesem Thema unser höchstes Gut. Es wäre ehrlich zu sagen: Wir müssen alle Kräfte mobili­sieren, um die Aufgabe zu meistern und gut über den Winter zu kommen. Aber wir können und werden das schaffen. Denn das können wir. Die gesamte Landes­re­gie­rung, an der Spitze der Minis­ter­prä­si­dent, ist in der Pflicht, genau wie die Bundes­re­gie­rung und alle Landes­re­gie­rungen. Als Oberbür­ger­meis­terin der Stadt in Sachsen, die seit vielen Jahren die meisten Flücht­linge unter­bringt und die persön­lich bei ihren Bürgern für Toleranz, Solida­rität und Akzep­tanz gegen­über Flücht­lingen wirbt, sage ich: Ich hätte nie gedacht, dass unser Land Sachsen so getrieben, so planlos und so fahrlässig handelt. Das ist verant­wor­tungslos gegen­über den Flücht­lingen und verant­wor­tungslos gegen­über der Bürger­schaft. Ich möchte nicht den Beifall der Falschen, denen diese Planlo­sig­keit in die Hände spielt. Ich habe einen immensen Respekt vor der Arbeit der vielen Ehren­amt­li­chen, die schon seit Monaten Heraus­ra­gendes leisten, vor denen, die sich privat engagieren, um uns zu helfen und sage: Danke dafür.“