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NGG: 16 Euro pro Kasten Bier wären ein normaler Preis

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Es zischt weiter gewaltig zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und den Brauereien. Am Mittwoch hieß es: „Ausgzapft is“. Die Bänder standen still, das Bier blieb in den Tanks.

Die Bilanz der bisherigen Streikwellen: Allein in den ostdeutschen Brauereien der Oetker-Gruppe, von der Gewerkschaft als „Brau-Kombinat-Ost“ bezeichnet, fielen bisher 63 Schichten aus, mehr als 40 Millionen Flaschen Bier konnten somit nicht abgefüllt werden. Bier-Stau bei Radeberger, Sternburg, Krostitzer, Freiberger, Kindl und Rostocker!

Dazu stoppten jetzt auch noch die Arbeiter bei Wernesgrüner die Bänder. Ein Novum! Es ist der erste Arbeitskampf seit der Wiedervereinigung – nichts scheint mehr im grünen Bereich...

Werden die Streik teuer für die Biertrinker?

Freunde des kühlen Blonden schauen besorgt auf den Stillstand, fürchten, dass der Gerstensaft jetzt teurer wird. Für Thomas Lißner von der NGG Chemnitz-Dresden ist der Preis schon lange aus den Fugen geraten! Er sagte Radio Chemnitz: „Der Kastenpreis für Bier ist seit 20 Jahren nicht gestiegen, trotz Lohnsteigerungen. Es wäre an der Zeit, wenn ein gutes und natürlich hergestelltes Produkt nicht weiter im Handel für unter zehn Euro verramscht werden würde.“

Nachfrage:
Was wäre denn ein normaler Preis?

Antwort:
„Der Normalpreis einer Kiste Bier liegt etwa bei 16 Euro. Durch permanente Aktionen durch den Handel kaufen die Verbraucher fast nur noch Bier im Angebot. Das sorgt ebenfalls für Probleme im Bereich Leergut. Der Handel macht es den Brauereien nicht leicht. Ich kann mich erinnern: Wernesgrüner meldet eine Bierpreiserhöhung in der Presse, im Handel war diese durch Aktionen nicht merkbar. Was sollen da Verbraucher denken?“

Weshalb sorgen die Aktionen für Probleme im Bereich Leergut?

Lißner: „Durch die Aktionen kaufen viele Verbraucher mehrere Kästen und geben diese nicht einzeln zurück, sondern gesammelt. Das führt gerade im Sommer zu Engpässen im Leergut.“

Das fordert die Gewerkschaft

  • Einen neuen Tarifvertrag für ein Jahr,

  • Erhöhung der Entgelte um 7 Prozent und mindestens 300 Euro,

  • für die Auszubildenden 100 Euro mehr und die Übernahme der Kosten für ein Job-Ticket.

Während im Westen neue Tarifverträge gelten, sitzt man im Osten weiter auf dem Trockenen. 8.000 Euro/Jahr (ohne Zulagen und Zuschläge) würden hier weniger verdient. Die NGG schreibt, dass die Arbeitgeberseite sich bei diesen Unterschieden auf „historische“ Gründe berufe. „Wie sollen wir das verstehen?“, fragt Uwe Ledwig, Verhandlungsführer der Gewerkschaft NGG Ost. „Die bestehende Ost-West-Lohnlücke soll auch nach 35 Jahren deutscher Einheit nicht kleiner werden? Oder Ossis sollen halt Ossis bleiben?“

Die nächste Verhandlungsrunde in Sachsen gibt es am 14. August – bis gibt es weitere Streiks. Schon heute (31. Juli) geht es los.