• Mit voller Wucht waren die Züge am Dienstagnachmittag zusammengekracht. © Bernd März

    Mit voller Wucht waren die Züge am Dienstagnachmittag zusammengekracht. © Bernd März

Lokführer offenbar verantwortlich für tödliche Zugkatastrophe

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Update 13:30 Uhr: Die Identität des getöteten Deutschen geklärt. Es handele sich um einen 49 Jahre alten Mann aus dem Erzgebirge, teilte das sächsische Innenministerium am Mittwoch auf Anfrage mit.

Nach vorläufigen Erkenntnissen des Ministeriums in Dresden sind auch unter den Verletzten zwei Deutsche. Ein 49 Jahre alter Mann sei mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Zwickau geflogen worden. Zudem kam ein 78-Jähriger zur Behandlung ins Krankenhaus nach Erlabrunn.

Die vier Schwerverletzten seien unterdessen außer Lebensgefahr, sagte eine Kliniksprecherin in Pilsen. Der Sachschaden wird auf  knapp 750.000 Euro geschätzt.

Die Polizei hatte einen der beiden Lokführer festgenommen. Ihm wird fahrlässige Gefährdung der Allgemeinheit zur Last gelegt. Der Sachschaden an den Fahrzeugen wurde auf mindestens 20 Millionen Kronen, umgerechnet knapp 750 000 Euro, geschätzt.

Nach dem tödlichen Zugunglück im tschechischen Grenzgebiet steht die Suche nach der Ursache im Mittelpunkt. Zwei Personenzüge waren am Dienstagnachmittag auf einer eingleisigen Strecke im Erzgebirge frontal ineinander gefahren. Bei dem Unfall kam ein Deutscher ums Leben, wie eine Sprecherin der Polizei in Karlsbad (Karlovy Vary) bestätigte. Auch ein Tscheche starb bei der Kollision. Nach einer letzten Bilanz des Rettungsdienstes wurden zudem 9 Menschen schwer und 15 leicht verletzt.

«Es ist offensichtlich, dass es zu menschlichem Versagen gekommen ist», sagte der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek dem Sender CT. Er war noch am Abend an den Unglücksort geeilt. Die Polizei nahm einen der beiden Lokführer fest. Der Verdacht laute auf fahrlässige Gefährdung der Allgemeinheit, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen zu früh losgefahren sein. Er habe neben den Gleisen gesessen und gesagt «Was habe ich nur getan, was habe ich nur getan», berichtete ein Augenzeuge der Zeitung «Pravo». Auch die Eisenbahninspektion nahm Ermittlungen zur Unglücksursache auf.

Der eine Zug war auf der eingleisigen Strecke unterwegs vom westböhmischen Bäderort Karlsbad ins sächsische Johanngeorgenstadt, der andere in umgekehrter Richtung. Viele der Reisenden wollten einen Ausflug in die Berge machen. Die kurvenreiche und hügelige Trasse führt über den Erzgebirgskamm. Die beiden Züge sollten sich eigentlich erst im nächsten Bahnhof kreuzen.

Die Unglücksstelle in einem Waldstück zwischen den Gemeinden Pernink und Nove Hamry war für die Rettungskräfte nur schwer zugänglich. Die Feuerwehr musste die Verletzten über die Gleise zu Fuß in den nächsten Bahnhof tragen. Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz, darunter auch einer aus Sachsen, um die Schwerverletzten in Kliniken zu bringen.

Auf Fotos war zu sehen, dass die beiden Fahrerbereiche komplett demoliert waren. Der Betrieb auf der Strecke wird im vereinfachten Betrieb ohne besondere sicherungstechnische Einrichtungen durchgeführt. Dafür ist die Höchstgeschwindigkeit auf 90 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Tschechien verfügt laut Eurostat über eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa. Doch große Teile der Infrastruktur sind veraltet. Vor zwei Jahren stellte der Rechnungshof fest, dass 35 Prozent des Wagenmaterials älter als 30 Jahre ist. (mit dpa)