Leipzig feiert deutsche Einheit und Friedliche Revolution
Mit dem traditionellen Friedensgebet in der Nikolaikirche und einem Lichtfest hat die Stadt Leipzig gestern 20 Jahre deutsche Einheit und die Friedliche Revolution in der DDR gefeiert. Rund 40 000 Menschen versammelten sich am Abend auf dem Augustusplatz. Sie gestalteten mit ihren Kerzen eine riesige strahlende „89“. Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte zuvor in einer „Rede zur Demokratie“ in der Nikolaikirche einen Vergleich der Stuttgart-21-Proteste mit den legendären Leipziger Montagsdemonstrationen zurückgewiesen. Die Leipziger Demonstrationen sollten ein demokratisches System erringen, das es damals in der DDR so nicht gegeben habe, sagte Lammert. Er rief zu mehr Sachlichkeit in der Debatte um Stuttgart 21 auf. Der Bau eines Bahnhofes, eines Flughafens oder eines Kraftwerkes sei kein geeigneter Anlass für eine Regierung, dem Volk Stärke zu zeigen. Aber auch das Volk könne kein Interesse an einer Kraftprobe mit dem Rechtsstaat haben. Auch Demonstranten müssten sich zumuten lassen, dass ihnen geltendes, korrekt zustande gekommenes Recht entgegengehalten werde. Er warnte, das Ausspielen von Demonstrationsrecht gegen Baurecht und umgekehrt hebele die Demokratie aus. Am 9. Oktober 1989 waren in Leipzig 70 000 Menschen auf die Straße gegangen. Diese Montagsdemonstration gilt als der Durchbruch für die Friedliche Revolution in der DDR. An das Datum wird alljährlich mit einem Lichtfest erinnert.