Läuft! 52 Millionen Euro Biersteuer für Sachsen
Zum Tag des Bieres (23. April) haben die Brauereien in Chemnitz Bilanz gezogen. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend sind die Umsätze in der Stadt stabil geblieben.
Einsiedler Brauerei: 240.000 Hektoliter, 13 Sorten, 140 Jahre Geschichte
In der Einsiedler Brauerei rollen auch in diesem Jahr wieder 240.000 Hektoliter Bier vom Band. 60 Mitarbeitende sorgen für die Produktion von insgesamt 13 Biersorten. Helles und Landbier sind laut kaufmännischer Leiterin Sandra Frenzel besonders gefragt. Frenzel beobachtet eine Verschiebung in der Nachfrage: Während der generelle Bierkonsum zurückgeht, steigt das Interesse an Spezialitäten. Besonders regionale Produkte liegen im Trend. Auch die Saison spielt eine Rolle: „Je besser das Wetter, desto höher der Verbrauch“, sagt sie.
Zum 140-jährigen Jubiläum lädt die Brauerei am 21. Juni 2025 zum Tag des offenen Brauhauses – eine Hommage an die lange Geschichte des Unternehmens.
Kein alkoholfreies Bier – weder in Einsiedel noch in Reichenbrand
Obwohl alkoholfreies Bier vielerorts auf dem Vormarsch ist, spielt es in Chemnitz bislang keine Rolle. Weder in Einsiedel noch in Reichenbrand wird es derzeit gebraut. Die Gründe ähneln sich: Der Markt gilt als gesättigt, die Investitionen in die notwendige Technik sind hoch.
Michael Bergt, Geschäftsführer und Braumeister der Reichenbrander Brauerei, setzt stattdessen auf Vielfalt. Zu den beliebtesten Sorten zählen das Helle, das RedAle und das Märzen „1874“, das im vergangenen Jahr anlässlich des 150-jährigen Bestehens eingeführt wurde. Auch Fassbrausen mit Apfel- und Erdbeergeschmack erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Rund 12.000 Hektoliter Bier werden an der Zwickauer Straße gebraut.
Hartmannsdorf: Mit Vielfalt gegen den Markt
Auch in Hartmannsdorf baut man auf ein breites Sortiment. Brauereichef Ludwig Hörnlein berichtet von steigender Nachfrage nach alkoholfreien Varianten – obwohl hier, anders als in Chemnitz, alkoholfreies Bier ein wichtiger Teil des Angebots ist. Daneben finden auch Doppelkaramel und koscheres Bier ihre Liebhaber.
Sachsen: Braulandschaft im Aufwind
Trotz steigender Kosten und wachsender Bürokratie zeigt sich die Braubranche in Sachsen robust. Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes, äußerte zum Tag des Bieres vorsichtige Zuversicht: Man hoffe auf politische Unterstützung und ein positives gesellschaftliches Klima. Die Zahl der Braustätten in Sachsen hat sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt – auf mittlerweile 84. Mit einem Gesamtabsatz von rund 6,7 Millionen Hektolitern zählt der Freistaat zu den drei größten Brauländern der Bundesrepublik und nimmt im Osten eine Spitzenstellung ein.
Ausbildung mit Zukunft
Die Brauereien in Sachsen investieren nicht nur in Bier, sondern auch in Köpfe. Neben der Ausbildung zum Brauer und Mälzer gewinnen Berufe in der Lebensmitteltechnik und Mechatronik an Bedeutung. Auch der Fiskus profitiert: 52 Millionen Euro spülte die Biersteuer im vergangenen Jahr in die sächsische Staatskasse. (mit dpa)