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Kunstsammlungen würdigen Lebenswerk von Clauss Dietel

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Von der Schreibmaschine Erika bis zum Radio mit Kugellautsprechern, vom legendären Moped Simson S50 bis zum Strickautomat: Karl Clauss Dietel hat im Osten Design-Geschichte geschrieben. Und die Fan-Gemeinde einiger dieser Produkte ist bis heute groß. Der heute 86-jährige Chemnitzer hatte in der DDR maßgeblich das Alltagsdesign geprägt. Eine Sonderschau in den Chemnitzer Kunstsammlungen widmet sich ab Sonntag dem Lebenswerk des berühmten Produktgestalters.

Zu sehen sind nicht nur die Entwürfe, die es zur Serienreife gebracht haben. Die Schau gibt auch Einblicke zu ambitionierten Gestaltungen, die in der DDR-Planwirtschaft letztlich nicht verwirklicht wurden. Etwa seine Arbeiten für ein Nachfolgemodell des Trabant 601 und das Kleinwagenmodell DRX, das durch große Fenster, viel Platz im Innenraum und einem langen Radstand besticht.

Charakteristisch für die Entwürfe ist das „offene Prinzip“. Dabei bilden die einzelnen Elemente klar getrennte Einheiten. Das hatte nebenbei den Vorteil, dass Nutzer mit wenig Aufwand technische Veränderungen und Reparaturen vornehmen konnten, wie es sich etwa bei den bis heute beliebten Simson-Mopeds zeigt.

Zum Produktgestalter wurde Dietel auf Umwegen. Zunächst lernte er Maschinenschlosser und ging nach der Lehre an die Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau in Zwickau; später studierte er an der Kunsthochschule in Berlin. Heute gilt der 86-Jährige als bedeutendster Designer der DDR. 2014 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Dietels Wirken war mit der Wiedervereinigung nicht zu Ende, wie in der Ausstellung ebenfalls zu sehen ist. Davon zeugen etwa ein Multifunktionstelefon für Philips und Elektrofahrräder aus dem Hause Diamant aus den frühen 1990er Jahren. Die Ausstellung ist bis 3. Oktober in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.