• In einem Gutachten sind Turn-Trainerin Gabriele Frehse «schwerwiegende Pflichtverletzungen» in 17 Fällen vorgeworfen worden.

Trainerin Frehse fordert Gutachten-Einsicht

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Rund drei Wochen nach Veröffentlichung des Gutachtens über Missbrauchsvorwürfe und der Forderung nach ihrer Entlassung hat die Chemnitzer Trainerin Gabriele Frehse den Deutschen Turner-Bund kritisiert. In scharfen Worten warf die seit zwei Monaten freigestellte Betreuerin der Olympia-Dritten Sophie Scheder dem DTB vor, ihr die Einsicht in den Untersuchungsbericht zu verwehren. «Leider wird mir das von den Anwälten des DTB auch heute, drei Wochen nach Vorliegen des Berichts, noch immer verweigert», sagte sie in einem Statement, das zuerst das Online-Portal «gymmedia.de» veröffentlichte.

Laut der vom DTB beauftragten Anwaltskanzlei liegen «in 17 Fällen hinreichende Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin» vor. Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten ihr vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben.

Der Turner-Bund wies Frehses Vorwürfe umgehend zurück. «Dies beruht auf dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, der Wahrung von der Untersuchungskommission zugesagter Anonymität und auch darüber hinaus dem Schutz der Personen, die sich der Untersuchungskommission anvertraut haben», teilte der DTB auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Frehse sei am Abend vor Veröffentlichung des Gutachtens über die Vorwürfe informiert worden. Die Trainerin warf dem DTB vor, Grundprinzipien wie Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu verletzen.

Auch dem Olympiastützpunkt Sachsen als Arbeitgeber von Frehse liegt das 200 Seiten umfassende Gutachten bisher nicht vor. «Es wurde schon mehrfach angefordert, doch es ist nichts passiert», sagte OSP-Leiter Thomas Weise der «Freien Presse». Sowohl Frehse als auch der DTB haben sich nun an den Hessischen Datenschutzbeauftragten gewandt um zu prüfen, inwiefern der Untersuchungsbericht der Trainerin und dem OSP doch zur Verfügung gestellt werden kann.

«Dessen ungeachtet ist es dem Olympiastützpunkt als Arbeitgeber bereits jetzt ohne weiteres möglich, den in Rede stehenden Sachverhalten und Vorwürfen im Hinblick auf arbeitsrechtliche Maßnahmen in eigener Verantwortung und Zuständigkeit selbst nachzugehen», unterstrich der Verband. Der OSP sei hierfür nicht auf den Untersuchungsbericht angewiesen.

OSP-Chef Weise bat auf «sächsische.de» um Verständnis, keinen Termin für eine Entscheidung zu Frehse nennen zu können. Am 24. Februar ist die Turnaffäre Thema im Sportausschusses des Deutschen Bundestags.

Verbandspräsident Alfons Hölzl hatte im «Spiegel» erklärt, der Verband prüfe derzeit den Entzug der Trainerlizenz von Frehse. Bereits Ende Januar hatte er nicht ausgeschlossen, dass es auch an anderen Standorten Vorfälle wie in Chemnitz gegeben haben könnte. (dpa)