Kriminelles Hobby auf Dachboden in Seifhennersdorf
Was macht ein Elektriker? Strippen ziehen, Leitungen anklemmen, Anlagen anschließen, nach Fehlern im Netz suchen. Einem Elektriker wird derzeit in Görlitz der Prozess gemacht. Aber nicht, weil er gepfuscht oder einen Unfall verursacht hat. Dieser Elektriker verstand sein Handwerk – als Drogenkoch in einem Wohnhaus an der Rumburker Straße in Seifhennersdorf.
Gekocht wurde auf dem Dachboden. Der Angeklagte hatte sich Chemikalien und Apparaturen besorgt, war zuvor bei einem Crystal-Mixer in seiner Heimat in Tschechien in die Lehre gegangen. Die Zubereitung des Stoffs habe nicht länger als vier Stunden gedauert, schilderte der 53-Jährige. 200 Gramm habe er hergestellt und davon 150 Gramm an einen Abnehmer am Kristynasee bei Zittau verkauft, räumte er ein.
Vom Erlös besorgte er sich neue Chemikalien. Er kaufte außerdem Waffen. Einen schussbereiten Revolver, neun Millimeter, hatte der gelernte Elektriker immer auf dem Nachttisch liegen. Nicht, um andere zu gefährden, wie er versicherte. Die Pistole war für ihn – wie er sagte – „der Hauptschalter, wenn es mir auf der Welt nicht mehr gefällt“.
Der Angeklagte wurde – an einer Krücke laufend – in den Verhandlungssaal geführt. Er hatte vor ein paar Jahren einen Schlaganfall. Seitdem ist seine linke Körperseite gelähmt. Er sei ein Krüppel.
Seine Ehefrau, die mit auf der Anklagebank sitzt, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Die 66-Jährige schluchzte, brach in Tränen aus, als ihr Mann gefragt wurde, wie denn die Ehe lief. Sie hätten zwar gemeinsam im Haus gelebt, aber jeder für sich. Sie schlief im Erdgeschoss, er im Obergeschoss. Er hatte eine Freundin und machte ihr gegenüber auch keinen Hehl daraus. Die Ehe existierte nur auf dem Papier.
Der Prozess am Landgericht Görlitz wird fortgesetzt.