Sachsen für Lockdown-Verlängerung
Bei anhaltend hohen Infektionszahlen hat kaum einer damit gerechnet, dass der Lockdown am 10. Januar wirklich endet. Sachsen ist für eine Verlängerung bis Monatsende und will keinen Jo-Jo-Effekt.
Sachsen ist für eine Verlängerung des Corona- Lockdowns und will sich nicht auf den Zeitpunkt für eine Öffnung von Schulen und Kitas festlegen. Das stellte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montag in Dresden klar. „Wir müssen mit Eltern und Lehrern, aber auch mit Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern darüber sprechen, dass für einen gewissen Zeitraum die Einrichtungen geschlossen bleiben, um einfach das Bewegungsgeschehen weiterhin zu reduzieren“, sagte er dort. Kretschmer bezog sich auf Erfahrungen mit dem „Lockdown-Light“.
Damals habe man gemerkt, dass geöffnete Schulen und Geschäfte keine Wirkung erzielen. „Wenn wir nicht in diesen Jo-Jo-Effekt verfallen wollen - lockern, schließen, wieder öffnen und dann wieder harte Maßnahmen -, sollten wir jetzt etwas Nerven behalten.“ Man habe als Instrument nur die Kontaktvermeidung. Es sei ratsam, noch eine gewisse Zeit in Ruhe zu verharren: „Wir werden in Sachsen die Schulen nicht gleich öffnen, sondern erst einmal bis Ende Januar geschlossen halten“, betonte der Regierungschef am Vormittag in Dresden.
„Wir sehen ja, wenn die Infektionszahlen zu hoch sind, dann tritt das ein, was wir auch prognostiziert haben. Die Gesundheitsämter schaffen es nicht mehr nachzuverfolgen. Dadurch bricht sich diese Infektion eine Bahn, und das sieht man dann am Ende in den Krankenhäusern“, betonte der Regierungschef. Man dürfe nicht zulassen, dass die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet ist. „Vor uns liegen jetzt dunkle Monate. Das ist der Unterschied zum vergangenen Jahr - da kam nach der ersten Welle direkt der Sommer und hat viele Probleme beseitigt. Darauf können wir jetzt nicht hoffen“, erklärte Kretschmer. Das Bild in Deutschland sei unterschiedlich. Deswegen gebe es auch unterschiedliche Meinungen in der Bevölkerung und unter den Ministerpräsidenten.
„Die Herausforderungen sind überall auf der Welt gleich. Diejenigen die mit Willensstärke und Ruhe agieren, kommen besser durch die Zeit“, zeigte sich Kretschmer überzeugt. Deutschland habe das bis zum Jahresende gut geschafft, besitze ein exzellentes Gesundheitssystem und eine starke Verwaltung. Die medizinische Versorgung sei nicht verhandelbar. „Wir haben in einigen Krankenhäusern gesehen, wenn die Region eine zu starke Belastung hat, geht es nicht mehr. Wir konnten uns in Deutschland gut helfen - Patienten sind in anderen Bundesländern behandelt worden. Das geht aber nur, wenn es ein lokales Problem ist.“
Kretschmer hatte sich bereits am Sonntag dafür ausgesprochen, die Einschränkungen über den 10. Januar hinaus zu verlängern. Durch den Lockdown im Dezember habe man zwar den rapiden Anstieg der Neuinfektionen abbremsen können. Man dürfe sich aber nicht in einer falschen Sicherheit wiegen. „Ich plädiere statt einem Hü und Hott zwischen Lockerungen und Beschränkungen dafür, konsequent zu sein und Nervenstärke zu haben“, sagte er. „Eine Verlängerung des Lockdowns in Sachsen bis mindestens Ende Januar ist daher unvermeidbar.“ Am Dienstag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über die seit Mitte Dezember geltenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens entscheiden. (dpa)