- Gina Jans arbeitet auf der Intensivstation K061 am Klinikum Chemnitz. Zwischen Herz und High-Tech erlebt sie Erfolg, Abschied und echte Teamarbeit.
Intensivpflege mit Herz und High-Tech
Die junge Frau mit der schicken Hochsteck-Frisur steht konzentriert am Patientenbett. Der Blick von Gina Jans geht nach oben zum Monitor, ihr Finger tippt ruhig auf den Bildschirm. Neben ihr laufen Schläuche, Kabel und Geräte zusammen. Es blinkt, piept und rauscht leise. Auf den ersten Blick wirkt die Intensivstation wie ein technisches Cockpit. Doch mitten in dieser Welt aus High-Tech zählt vor allem eines: der Mensch.
„Ich möchte gern mit Menschen arbeiten und ihnen helfen. Einen Bürojob kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Gina Jans. Die 24-Jährige ist seit fast fünf Jahren gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Schon während ihrer Ausbildung im DIAKOMED-Krankenhaus Hartmannsdorf interessierte sie sich für die Intensivmedizin. Vor zwei Jahren wechselte sie über eine Stellenausschreibung ans Klinikum Chemnitz auf die interdisziplinäre Intensivstation K061.
Mehr Zeit für den Einzelnen
Der Schritt weg von der Normalstation war bewusst gewählt. „Dort hat mir die Herausforderung gefehlt. Ich musste viele Patienten zeitgleich betreuen und hatte kaum Zeit für den Einzelnen. In der Intensivpflege versorge ich nur zwei bis drei Patienten und kann viel gewissenhafter arbeiten“, sagt sie.
Besonders spannend findet Gina Jans die moderne Technik am Bett. Dazu gehören Beatmungsgeräte, die Patienten beim Atmen helfen. Dialysegeräte, die das Blut reinigen, wenn die Nieren nicht richtig arbeiten. Und ECMO-Verfahren. Dabei übernimmt eine Maschine zeitweise Aufgaben von Herz oder Lunge. Das Blut wird außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid befreit.
Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Intensivpflege ist ein Job, in dem „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ Alltag ist. Denn manchmal kommt ein Mensch nach schwerer Krankheit zurück ins Leben und kann später in die Reha gehen. Dieser Moment ist unbezahlbar. Manchmal aber reicht selbst die beste Versorgung nicht.
Gina Jans motivieren vor allem die Erfolgserlebnisse und die Dankbarkeit. „Mich motiviert, dass wir viele Erfolgserlebnisse haben und viel zurückbekommen. Die Patienten sprechen uns ihr Lob aus oder schreiben Karten aus der Reha.“
Auch das Umfeld stimmt für sie. „Das Miteinander zwischen Ärzten und Pflegekräften ist super. Wir sind ein junges Team, verstehen uns privat sehr gut und machen regelmäßig Ausflüge.“
Wenn der Alltag schwer wird
Das starke Team hilft auch bei den emotionalen Herausforderungen. „Man begleitet Menschen in den schwersten Phasen ihrer Krankheit“, sagt Gina Jans. Wenn Patienten aus dem Koma aufwachen, muss man sie behutsam aufklären. Auch die Angehörigen haben viele Fragen.
Dass anfangs oft kein direkter Dialog mit den Patienten möglich ist, war für sie zunächst eine Umstellung. Trotzdem wird am Bett gesprochen. Denn man weiß nie, was die Betroffenen unterbewusst wahrnehmen.
Wie wichtig das Verarbeiten im Team ist, zeigt der Fall eines jungen Patienten, der trotz modernster Technik und bester Versorgung nicht überlebte. „Bei jungen Patienten ist es besonders schlimm. Solche Geschichten nimmt man mit nach Hause“, sagt die 24-Jährige. Wichtig sei dann, mit Kollegen oder Bezugspersonen zu reden und das Erlebte nicht in sich hineinzufressen.
Gute Perspektiven, sichere Zukunft
Wer in der Intensivpflege arbeiten möchte, braucht laut Gina Jans Flexibilität, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Lernbereitschaft. Der Beruf fordert viel. Aber er bietet auch viel: Das Geld stimmt, die Perspektiven auch, und sicher ist der Job in jedem Fall. Pflegekräfte werden gebraucht. Gerade auf Intensivstationen zählen Erfahrung, Wissen und Verlässlichkeit.
Auch Gina Jans will sich weiterentwickeln. Nächstes Jahr möchte sie die Weiterbildung zur Wundexpertin machen und auch noch eine Fachweiterbildung für Intensivpflege absolvieren.
Am Ende bleibt das Bild vom Anfang: Gina Jans steht am Bett, der Blick ruhig auf den Monitor gerichtet. Mit Herz und High-Tech. Und mit einem Beruf, in dem Technik Leben sichern kann, aber Menschlichkeit den Unterschied macht.
