Infos zu Coronalage im ERZ - Klinikchef spricht Klartext
Im Erzgebirgskreis ist am Donnerstagnachmittag wieder in einer Pressekonferenz zur aktuellen Coronalage informiert worden. Schon zu anderen Wellen der Pandemie hatte es diese Termine im Landratsamt gegeben.
Gesprächspartner waren Landrat Frank Vogel, Frank Reißmann, Chef im Gesundheitsamt, Amtsarzt Sandro Müller und der Chef der Erzgebirgskliniken Marcel Koch.
Informiert wurde zum Beispiel zur Lage in den Krankenhäusern, und es gab die gute Nachricht, dass die Kontaktnachverfolgung bei Infektionen im Erzgebirgskreis wohl noch weitestgehend gestemmt werden kann. Anderswo gibt es mehr Probleme.
Das Durchschnittsalter aller Infizierten liegt den Angaben zufolge bei 51 Jahren und bei den Verstorbenen bei 81 Jahren. Die am stärksten betroffene Altersgruppe bei den Infektionen sei gegenwärtig die der mobilen Menschen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren.
Die vier Häuser des Erzgebirgsklinikums seien seit Ende Oktober eine der am stärksten belasteten Kliniken, sowohl auf der Intensiv- als auch auf der Normalstation. Prozentual gesehen lagen bis Anfang November 20 Prozent aller COVID-19-Patienten des Clusters Chemnitz in den vier Häusern des Erzgebirgsklinikums.
Auf den Intensivstationen halte man 40 Prozent der Gesamtkapazitäten für COVID-19- Patienten vor. Die ersten Erfahrungen in den Häusern des Erzgebirgsklinikums und in anderen Krankenhäusern zeigten, dass ca. 80 Prozent der behandelten Corona-Patienten nicht vollständig geimpft waren. Insbesondere die auf den Intensivstationen behandelten Patienten seien fast ausschließlich ungeimpft, sagte Marcel Koch, der Chef der Erzgebirgskliniken. Der Verlauf der Erkrankungen bei vollständig geimpften Patienten sei dabei deutlich leichter und kürzer als bei ungeimpften Patienten.
Zudem sei belegbar, dass bei Impfdurchbrüchen mit symptomatischen Verlauf oft kritische Grunderkrankungen vorlägen. Die steigenden Infektionszahlen ließen vermuten, dass sich diese Situation weiter verschärfen wird, so Koch weiter. Durch die hohe Beanspruchung im Intensivbereich komme es bereits zu Einschränkungen bei den geplanten Eingriffen.
Seit Anfang November erhalte man Unterstützung von 22 Bundeswehrsoldaten, die in allen vier Häusern Hilfstätigkeiten zur Entlastung des Pflegepersonals übernehmen.
Auf die Frage, wie Landrat Frank Vogel persönlich zu den Weihnachtsmärkten stehe, antwortete der Landrat mit einer Gegenfrage, sinngemäß: „Müssen wir in der gegenwärtigen Situation Fußballspiele haben mit tausenden von Zuschauern oder vergleichbare andere Veranstaltungen?“
Wenn jeder sich an Regeln halten würde, sehe er bei Weihnachtsmärkten überhaupt kein Problem, die fänden ja im Freien statt. Wenn man Abstände einhalten, nicht dauernd jemandem um den Hals fallen und Maske trage würde, sehe er kein Problem. Deswegen sei seine ganz persönliche Meinung: Er müsse es nicht haben, er würde es aber gerne.
Angesichts der wieder aufgeflammten Nachfrage nach Corona-Impfungen sprach sich Vogel neben den mobilen Impfteams für zeitlich befristete Impfstellen aus. Die könnten je nach Größe eines Ortes für drei oder vier Wochen eingerichtet werden. Kommende Woche etwa solle in Aue eine solche Impfstelle starten.
Dafür Räume zu bekommen, sei die kleinere Hürde, sagte der Landrat. Das viel größere Problem sei, Ärzte sowie Impfstoff hierfür zu bekommen. In den vergangenen Tagen hatten sich vielerorts bei Impfterminen lange Warteschlangen gebildet, und es mussten auch Leute weggeschickt werden.
Wir haben Aussagen aus der Pressekonferenz zum Nachhören für Sie hier eingestellt.