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Bei einer Demo in Zwickau wurde friedlich der NSU-Opfer gedacht

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Hunderte Menschen haben am Sonnabend in Zwickau friedlich an die zehn Mordopfer des NSU erinnert. Die etwa 600 Demonstranten aus dem linken Spektrum zogen vom Bahnhof durch die Stadt. An fünf Zwischenstationen wurden Kundgebungen abgehalten. Redner beklagten rechte Umtriebe in Zwickau und prangerten an, dass der Staat sein Versprechen nicht eingehalten hat, den NSU-Komplex vollständig aufzuklären. Die Polizei sicherte die Demo mit einem Großaufgebot ab. Rechte Störer versuchten, zum Demonstrationszug durchzudringen, wurden von der Polizei aber daran gehindert.

Am Abend, gegen 20 Uhr, zog die Polizei Bilanz: Es habe „keine nennenswerten Störungen“ gegeben, heißt es in einer Mitteilung. Gegen 29 Personen aus der rechten Szene seien Platzverweise ausgesprochen worden. Im Einsatz waren 480 Polizisten der Direktion Zwickau, von der Bereitschafts- und der Bundespolizei.

Das war der Demo-Samstag:

17:35 Uhr: Letzte Zwischenkundgebung auf dem Ring am Abzweig Kreisigstraße, wo es einen rechten Szeneladen gibt, in dem Beate Zschäpe zeitweise gearbeitet hat. Der Besitzer damals: Ralf „Manole“ Marschner, stadtbekannter Nazi. Er war später als V-Mann des Verfassungsschutzes aufgeflogen und danach untergetaucht. Der Laden sei ein brauner Schandfleck für Zwickau, sagte ein Redner. Und: In Zwickau sei die Antifa zu schwach, es fehle ein antifaschistischer Selbstschutz. Die Teilnehmer laufen jetzt zurück zum Bahnhof. Alles blieb friedlich.

17:15 Uhr: Auf dem Jerusalemer Platz haben die Demonstranten 213 brennende Kerzen aufgestellt - jede einzelne für ein Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990. In einem Einspieler sagte die Tochter eines NSU-Opfers, der Staat habe sein Versprechen gebrochen, den NSU-Komplex vollständig aufzuklären.

16:40 Uhr: Ein Schüler (18) vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium sagt, die Unterstützer des NSU lebten immer noch unter uns und würden nicht belangt. Er erzählt von einer aktiven rechten Szene in Zwickau und Angriffen auf junge Linke in der Stadt.

16:25 Uhr: Ankunft auf dem Hauptmarkt.

16:10 Uhr: Der Zug ist auf dem Weg zum dritten Kundgebungsort: Hauptmarkt.

15:55 Uhr: Am NSU-Opfer-Gedenkort hat es eine Schweigeminute für die NSU-Mordopfer gegeben. Davor erinnerte der Zwickauer Stadtrat der Linken, René Hahn, daran, dass vermutlich Rechtsextreme Gedenkbänke demoliert und einen Gedenkbaum abgesägt hatten. Er lobte das Bemühen der Stadt um ein würdiges Gedenken, kritisierte aber auch Tendenzen der Vertuschung - aus Angst um den guten Ruf der Stadt.  

15:50 Uhr: Die Polizei gibt die Teilnehmerzahl jetzt mit 590 an.

15:38 Uhr: Der Demonstrationszug ist am NSU-Opfer-Gedenkort am Schwanenteich angekommen. Es ist die zweite Zwischenstation.

15:30 Uhr: Immer wieder versuchen einige wenige rechte Störer, zur Demo durchzudringen. Die Polizei hält sie davon ab.

15:15 Uhr: Am früheren Wohnhaus in der Polenzstraße erinnerte ein Redner daran, dass das Trio dort unauffällig unter dem Namen „Dienelt“ wohnte.

14:47 Uhr: „Nazis morden, der Staat macht mit, der NSU war nicht zu dritt“, skandieren die Demonstranten. Auf einem Banner wird der NSU-Opfer gedacht.

14:44 Uhr: Der Aufzug ist gestartet. Die Polizei spricht jetzt von 390 Teilnehmern. Erste Station ist die Polenzstraße. Dort wohnten eine Zeitlang Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe.

14:10 Uhr: Die Polizei hat eine zehnköpfige Gruppe in der Max-Pechstein-Straße festgesetzt und die Identitäten festgestellt. Die Personen sollen „Ausländer raus!“ gerufen haben, sagte ein Polizeisprecher.  

14:05 Uhr: Die Teilnehmer sammeln sich.

14:00 Uhr: Etwa 300 Demonstranten haben sich aktuell am Hauptbahnhof eingefunden. Sie kamen mit Zügen, einem Reisebus und zu Fuß zum Treffpunkt. 

Audio:

Demo-Anmelderin Juliane Nagel, Leipziger Landtagsabgeordnete der Linken