Hier sitzen zwei tschechische Telefonbetrüger vor Gericht
6 KLs 870 Js 20417124. Hinter dem Aktenzeichen verbirgt sich ein Fall, bei dem viele Senioren um ihre mühsam erworbenen Ersparnisse gebracht worden.
Die Angst als Komplize
Wie würden Sie reagieren, wenn am Telefon jemand behauptet, Ihr Kind habe einen tödlichen Unfall verursacht? Herzklopfen. Panik. Der Gedanke, helfen zu müssen – sofort. Genau auf diesen Moment setzten zwei mutmaßliche Betrüger, die sich seit heute vor dem Chemnitzer Landgericht verantworten müssen.
Die Masche
Die Masche ist ebenso simpel wie grausam: Die Angeklagten, Kennedy und Radim L. aus Tschechien, gaben sich als Staatsanwälte, Mitarbeiter des Amtsgerichts oder Polizisten aus. Ihre Botschaft: Ein geliebter Mensch sei in großer Not – und nur eine hohe Kaution könne Gefängnis oder Schlimmeres verhindern.
Gold und Geld
So brachte man eine 87-jährige Rentnerin dazu, einen Goldbarren im Wert von 17.000 Euro zu übergeben. Ein anderer Senior zahlte 60.000 Euro in bar. Insgesamt sollen die Täter in acht Fällen 127.000 Euro erbeutet haben – und beinahe wären es 175.000 Euro geworden, hätten nicht aufmerksame Angehörige in letzter Sekunde eingegriffen.
Sechs Verhandlungstage
Sechs Verhandlungstage sind angesetzt – bis Mitte April soll das Verfahren Klarheit bringen. Die Angeklagten sitzen seit dem vergangenen Jahr in Untersuchungshaft. Bei einer Verurteilung drohen ihnen mehrere Jahre Gefängnis.