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Grüner Technologie-Campus in Rothenburg

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Am Flugplatz Rothenburg soll ein Technologiecampus für grüne Kreislaufwirtschaft entstehen. Die Elbeflugzeugwerke (EFW) wollen ihr Engagement am Standort verstärken. Sie stellten gestern Abend im Rothenburger Stadtrat ihr Projekt eines „CO2-neutralen Gewerbestandortes“ vor. Zum  Flugzeugrecycling-Projekt, das sich in der Pilotphase befindet,  könnten eine Solarfabrik, eine Versuchsanlage für grünen Wasserstoff sowie Forschungsvorhaben zur Kreislaufwirtschaft hinzukommen, kündigte Projektleiter Kay-Uwe Hörl an.

Die EFW sind bereits mit potentiellen Investoren im Gespräch, zum Beispiel mit Energieversorger EnsoSachsen. Die Heim-Gruppe will ein Solarkraftwerk nördlich des Platzes im Ortsteil Steinbach errichten. Es soll Strom für den Standort liefern und später auch für die Produktion von Wasserstoff, so der Geschäftsführende Gesellschafter Philipp Heim. Die Unterlagen für die Photovoltaik-Anlage werden vorbereitet und in absehbarer Zeit für den Aufstellungsbeschluss bei der Stadt eingereicht.

„Das Projekt ist nicht mehr nur eine Vision. Wir sind schon in der Realisierung“, sagte EFW-Geschäftsführer Andreas Sperl.  Er sieht das Flugzeugrecycling als Magnet für weitere Ansiedlungen. Geplant ist, dass jährlich zunächst neun Maschinen der Typen A320 und Boeing 737 in Rothenburg zerlegt und Komponenten zum größten Teil wiederverwertet werden.  Die Elbeflugzeugwerke sehen darin ein einträgliches Geschäft. Airbus sei am recycelten Material interessiert, verlange aber Liefersicherheit, so Hörl.

Ein Prototyp wurde Anfang dieses Jahres zerlegt. Rund 85 Prozent der Komponenten und Materialien konnten wiederverwertet und damit der Nachweis erbracht werden, dass so ein Projekt auf dem Flugplatz Rothenburg technisch machbar ist. Nun sollen die Voraussetzungen für ein industrielles, also kommerzielles Recycling geschaffen werden. Dafür wird im Herbst ein zweiter Airbus auseinandergenommen.  Abläufe und Verfahren sollen optimiert werden. Dafür wollen die EFW eine weitere Million Euro bereitstellen.

EFW-Chef Sperl glaubt, dass Rothenburg der richtige Standort für die Verwertung von Flugzeugen ist und der Platz Potential hat für die Erforschung und Entwicklung von neuen Technologien der Kreislaufwirtschaft hat.   Für das Gesamtkonzept erhielt er gestern die ungeteilte Zustimmung des Stadtrates.   

Mit diesem Bekenntnis will er kommende Woche Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer das industrielle Flugzeugrecycling in Rothenburg empfehlen. Zum Termin in der Staatskanzlei wird auch der EFW-Hauptanteilseigner aus Singapur mit dabei sein. Der Gesellschafter hält 55 Prozent an den Elbeflugzeugwerken und entscheidet maßgeblich über Investitionen.  

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth
Projektleiter „CO2-neutraler Gewerbestandort", Kay-Uwe Hörl
Andreas Sperl, Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke GmbH
Philipp Heim, Geschäftsführende Gesellschafter der Heim-Gruppe