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  • Die Debatte um das Theater am Spinnbau und die 105 Millionen Euro aus dem Sondervermögen geht weiter. Die Grünen wollen ein eigenes Schauspielhaus. Auch das BSW unterstützt mit dem ursprünglichen Verwaltungsplan den Spinnbau-Standort. Andere Fraktionen sehen das Opernhaus als zentralen Theaterstandort.

Grüne & BSW wollen das 56-Millionen-Euro-Theater

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Am Spinnbau soll nach dem Willen der Chemnitzer Grünen ein separates Schauspielhaus entstehen. Der Kreisverband hat sich vergangene Woche auf einer Mitgliederversammlung für den Standort ausgesprochen. Grundlage war ein Antrag der Arbeitsgemeinschaft Kultur.

Darin heißt es: „Wir beschließen, uns für den Neubau des Schauspielhauses auf dem Spinnbau-Gelände einzusetzen.“ Die Grünen verbinden den Standort auch mit der Entwicklung des Umfelds. Durch die Ansiedlung könne sich das Gebiet zum Ausgehviertel Südbahnhof-Altchemnitz weiterentwickeln. Zudem verweist der Antrag auf die Zusammenarbeit mit der vorhandenen Kulturszene. „Die Kooperation der Städtischen Theater mit der schon vorhandenen Kulturszene halten wir dabei für unabdingbar“, heißt es darin.

Neubau mit Vollbühne geplant

Nach den Vorstellungen der Grünen soll am Spinnbau ein eigenständiges und vollwertiges Haus für das Schauspiel entstehen. Vorgesehen wären ein Neubau mit Bühnenturm, Vollbühne und Orchestergraben. Die jetzige Interimsspielstätte im Spinnbau hat nach Darstellung der Grünen keine Vollbühne, keinen Bühnenturm und nicht die entsprechende Bühnentechnik.

Co-Vorsitzende Anne Nürnberger sagt: „Der Spinnbau hat sich für viele Menschen in unserer Stadt als Theaterstätte etabliert.“ Er greife den industriellen Charme der Stadt auf und hauche dem Gebiet nahe der Innenstadt neues Leben ein.

Auch Werkstätten und Verwaltungsbereiche sollen nach dem Grünen-Antrag auf dem Gelände angesiedelt werden. Dadurch würden bisher über die Stadt verteilte Theaterstandorte zusammengeführt. Die Grünen verweisen außerdem auf weniger Fahrten zwischen den Standorten und auf geringere Emissionen.

BSW bringt ursprünglichen Plan zurück

Die Debatte steht im Zusammenhang mit den 105,6 Millionen Euro, die aus dem Sondervermögen des Bundes nach Chemnitz fließen sollen. Der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung sah unter anderem 56 Millionen Euro für den Ausbau des Spinnbaus zum neuen Theater-Standort vor.

Mit der Wiedereinreichung dieses ursprünglichen Verwaltungsplans unterstützt auch das BSW den Spinnbau-Standort. Die Fraktion hat den Plan am 4. Mai erneut zur Abstimmung im Stadtrat eingereicht.

Vorgestellt worden war der Maßnahmenplan am 13. März von Kämmerer Ralph Burghart und Baubürgermeister Michael Kütter. Er umfasst drei Bereiche: kommunalen Schulhausbau, kommunalen Straßen- und Brückenbau sowie ein Pauschalpaket für weitere Projekte, das 105 Millionen bis 2026 umfasst.

Andere Vorschläge verteilen Geld breiter

Der Spinnbau-Posten würde mehr als die Hälfte der Mittel binden, über die Chemnitz frei verfügen kann. Deshalb hatten mehrere Stadtratsfraktionen andere Vorschläge gemacht. Danach sollten die Millionen breiter verteilt werden.

Im Gespräch war unter anderem, das Schauspiel im sanierungsbedürftigen Opernhaus oder in dessen Nähe unterzubringen. Diese Lösung wäre nach bisherigen Angaben mit rund 40 Millionen Euro günstiger.

Die Grünen lehnen eine solche Zusammenlegung ab. Co-Vorsitzender Joseph Israel sagt: „Ein eigenständiges Schauspielhaus ist für uns BÜNDNISGRÜNE unabdingbar.“ Gedankenspiele, das Schauspiel mit dem Musiktheater im Opernhaus zu kombinieren, stellten aus seiner Sicht „eine große Gefahr für das Kulturangebot unserer Stadt“ dar.

Entscheidung bis Ende Mai

Der Stadtrat muss am 27. Mai eine Einigung finden. Bis zum 1. Juni müssen die Projekte nach Berlin gemeldet werden, die gefördert werden sollen. Damit laufen zwei Linien in der Debatte zusammen: Die Grünen sprechen sich politisch für ein eigenes Theater am Spinnbau aus. Das BSW unterstützt mit dem wieder eingereichten ursprünglichen Verwaltungsplan ebenfalls den Spinnbau-Standort. Andere Fraktionen halten es dagegen nicht für richtig, mehr als die Hälfte der Millionen aus Berlin in ein einziges Kulturprojekt zu stecken.