• Die Milichsche Bibliothek. Sie bestand einst aus über 7.000 Büchern und 200 Manuskripten. Ein Teil der Originale wird in Görlitz aufbewahrt.

  • Karin Stichel, wissenschaftliche Bibliothekarin in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften Görlitz

  • Historischer Band - digitalisiert und frei zugänglich über das Portal "Sachsen.digital"

Görlitzer Bücherschatz in Breslau wird digitalisiert

Zuletzt aktualisiert:

Wer im Katalog der Uni-Bibliothek Breslau blättert, stößt auf viele deutsche Titel. Darunter sind historische Handschriften und frühe Drucke.  Die Vortitelblätter der Bände sind zum Teil gestempelt. Darauf steht „Milichsche Stadt- und Gymnasialbibliothek“ oder „Bibliothek der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften“. Diese Werke befanden sich einst in Görlitz. Sie werden seit 2018 digitalisiert. In dieser Form kehren sie zurück nach Görlitz.

 Wer in der Milichschen Bibliothek in Görlitz nach den Görlitzischen Jahrbüchern 1576 bis 1607 des Universalgelehrten Bartholomäus Scultetus sucht, wird sie in den Regalen nicht finden. Er kann den Band aber per Mausklick einsehen und auch herunterladen. Der 97 Blätter umfassende Band wurde digitalisiert und ist auf der Plattform „Sachsen.Digital“ frei einsehbar.

Das Original befindet sich in Breslau – wie auch andere Bücherschätze aus Görlitz. Im Zweiten Weltkrieg wurden Tausende Bände ausgelagert in Herrenhäuser und Güter östlich der Neiße, um sie vor Zerstörung durch Luftangriffe zu schützen. "Nur ein kleiner Teil kam nach Kriegsende zurück", so Karin Stichel, wissenschaftliche Bibliothekarin in Görlitz.

Rund 900 historische Handschriften schon digitalisiert

 Vor drei Jahren wurde damit begonnen, Bände aus Görlitz zu digitalisieren.  Das ist sehr aufwändig – finanziell und personell. Für ein Exemplar können da schon Kosten von 800 bis 900 Euro entstehen. Die Finanzierung übernimmt Sachsen. Auf der Liste der Görlitzer stehen 1.400 Handschriften und 400 frühe Drucke. "Rund 900 historische Handschriften wurden schon digitalisiert." Sie können aus dem Internet heruntergeladen werden. Forscher brauchen also nicht unbedingt nach Görlitz zu kommen. Sie ziehen sich die historischen Bände auf ihren PC.

Das Digitalisierungsprojekt wird fortgesetzt. Es gibt noch viel zu tun. Bibliothekarin Karin Stichel wünscht sich, dass bald die Bände zu Jakob Böhme an die Reihe kommen. Auch sie lagern in der Uni-Bibliothek Breslau. Der Görlitzer Jakob Böhme gilt als erster deutscher Philosoph. Forscher und Fans gibt es überall auf der Welt. Einer seiner prominentesten Anhänger ist der Hollywood-Schauspieler Nicolas Cage.

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth