++ EIL ++

Gnadenfrist für Chemnitzer Kulturpalast läuft ab

Zuletzt aktualisiert:

Dem ehema­ligen Kultur­pa­last in Raben­stein geht es offenbar bald an den Kragen. Der Eigen­tümer aus dem hessi­schen Bad Viern­heim will das Verfahren zum Abriss des Hauses voran­treiben. An der Stelle sollen später Eigen­heime gebaut werden. Die Stadt hatte den Abriss abgelehnt - ein Jahr ruhte der Wider­spruch, ohne dass eine Lösung gefunden wurde. Jetzt macht der Investor ernst. Eine Sanie­rung des Areals sei nicht zu stemmen, deshalb sollen bald die Bagger anrücken. Die Stadt sieht das inzwi­schen ähnlich und will nun zumin­dest einen Teil der Gebäude zum Abriss freigeben.Im Park ist Wildnis gewachsen, die den maroden Charme des Hauses unter­streicht. Der Säulen­por­tikus am Treppen­auf­gang beein­druckt noch immer. Als die Sowjets nach dem Zweiten Weltkrieg im Erzge­birge und in Thüringen anfingen, im großen Stil Uran zu fördern, wurde für die schwer arbei­tenden Bergleute in nur einjäh­riger Bauzeit der Palast hochge­zogen, in idylli­scher Lage am Stadt­rand - das Stadt­zen­trum lag in Trümmern. Gespart wurde nicht: Säulen innen und außen, Kronleuchter, Theater­saal für mehr als 900 Besucher, Biblio­thek, Musik- und Billard­zimmer, Restau­rant, Parkan­lagen. 1951 war zur Eröff­nung der damalige DDR-Minis­ter­prä­si­dent Otto Grote­wohl dabei."Das Haus ist einer der wichtigsten Kultur­bauten der frühen DDR", betont der Leipziger Kunst­his­to­riker Arnold Bartetzky, der im Chemnitzer Kurato­rium Stadt­ge­stal­tung für den Bereich Denkmal­pflege zuständig ist. Das Gremium berät die Stadt­ver­wal­tung in Baufragen. Der Experte spricht von einem hochwer­tigen Kultur­denkmal.Mit der großen Kultur war es im Palast aber schon 1967 vorbei. Die Wismut zog aus, das DDR-Fernsehen zog ein und produ­zierte in den Räumen unter anderem Unter­hal­tungs­sen­dungen. Aus dem Theater­saal wurde ein großes Studio. Nach 1990 war zunächst der Mittel­deut­sche Rundfunk Hausherr. Seit dem Jahr 2000 dämmert die Ruine vor sich hin.