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Gewalt in Asylbewerberheim beschäftigt Landgericht

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Die Massen­schlä­gerei im Hilbers­dorfer Asylbe­wer­ber­heim im September letzten Jahres hat jetzt ein juris­ti­sches Nachspiel. Vor dem Landge­richt muss sich ab Freitag ein 27-jähriger Tsche­tschene wegen versuchten Totschlags verant­worten. Er soll laut Staats­an­walt­schaft der Anführer eines Trupps von 20 Leuten gewesen sein und mit einer Metall­stange auf einen Marok­kaner einge­schlagen haben. Bis Mitte August sind insge­samt sechs Verhand­lungs­tage angesetzt. Der Streit zwischen Nordafri­ka­nern und Osteu­ro­päern soll unter anderm einen religiösen Hinter­grund gehabt haben. Aber auch um Bezie­hungen zwischen Männern und Frauen soll es gegangen sein. 21 Menschen wurden bei der Prügelei verletzt. Die Häuser wurden später von einem Spezial-Einsatz­kom­mandos der Polizei nach gefähr­li­chen Gegen­ständen und Waffen durch­sucht. Nach der Randale waren 360 Plätze in dem ohnehin unter Raumnot leidenden Heim nicht mehr bewohnbar. Einige Bewohner - vor allem Familien - mussten in die neu eröff­nete Außen­stelle des Heims nach Schnee­berg im Erzge­birge umziehen. Es war der bisher schwerste Vorfall dieser Art in dem Heim, der damals eine öffent­liche Debatte zur Unter­brin­gung und zum Umgang mit Flücht­lingen in Sachsen allge­mein auslöste. Die Chemnitzer Einrich­tung war wegen sprung­haft gestie­gener Flücht­lings­zahlen überfüllt. 2013 waren in Chemnitz 6398 Neuan­kömm­linge regis­triert worden, im Jahr zuvor waren es noch 3503. In diesem Jahr rechnet Sachsen laut Landes­di­rek­tion mit 10.300 neuen Asylsu­chenden. Das Innen­mi­nis­te­rium hat mit einem neuen Unter­brin­gungs­kon­zept reagiert. Neu ankom­mende Asylbe­werber sollen künftig zur Erstauf­nahme zu etwa gleichen Teilen auf die Großstädte Chemnitz, Dresden und Leipzig verteilt werden.