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Verantwortlicher im Prüfungsskandal an Polizeihochschule Rothenburg zu Geldstrafe verurteilt

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Der Verantwortliche im Prüfungsskandal an der Polizeihochschule Sachsen in Rothenburg ist heute zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro (120 Tagessätze je 120 Euro) verurteilt worden – und zwar wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen. Das Amtsgericht Weißwasser befand den Regierungsrat in drei Fällen für schuldig, Prüfungsaufgaben und -hinweise an einen Studenten weitergegeben zu haben. Es folgte damit der Anklage und auch dem Strafantrag des Staatsanwalts.

„In Rothenburg werden Sie bestanden“

Der Regierungsrat legte ein Geständnis ab. Er gab zu,  Prüfungsfragen  an einen Kurssprecher weitergegeben zu haben. Der Student reichte die Unterlagen weiter. Ein anderer Student stellte sie in eine Dropbox. Sie waren damit für die 170 Studenten  im Internet abrufbar. Der damalige Jahrgang schnitt für Außenstehende überraschend gut ab. „Die Studenten waren schnell mit den Prüfungen fertig und hatten gute Ergebnisse erzielt“, so die Richterin.  Auf dem Campus machte der Spruch die Runde: „In Rothenburg werden Sie bestanden“. 

„Der größte Fehler meines Lebens“

Der Angeklagte bereute die Taten. Es tue ihm leid. „Das war der größte Fehler meines Lebens.“  Nicht gewusst habe er, dass die Prüfungsfragen später im Internet kursierten. In den beiden anderen Fällen seien es nur Stichworte für eine Konsultation gewesen.

Der Angeklagte arbeitete im Referat für Studienangelegenheiten und im Prüfungsausschuss. Damit hatte er Zugang zu den Prüfungsunterlagen. Die Modulprüfung in Psychologie hielt er für zu umfangreich und überzogen, konnte sich aber nicht mit seiner Forderung, den Inhalt zu ändern oder zu kürzen, durchsetzen. Er hatte Mitleid mit dem Studenten. „Der sah mich an, heulte herum. Er hatte familiäre Probleme.“ So ließ er sich erweichen. Der Kurssprecher kam in sein Büro und konnte den Prüfungszettel vom Schreibtisch des Regierungsrates nehmen.    

„Der gute Onkel an der Polizeihochschule“

Der Angeklagte pflegte Kontakte zu den Studenten. Er traf sich in seiner Funktion monatlich mit den Kurssprechern, trank auch mal ein Bier mit den Studenten oder rauchte eine Zigarette, war zu Sommerfesten eingeladen. Diese Nähe bezeichnete  er rückwirkend als Fehler. „Es ging ihm nicht um den eigenen Vorteil, sondern er hatte ein zu großes Herz. Er war der gute Onkel an der Schule“, sagte sein Verteidiger Florian Berthold. Aus dieser legitimen, wenngleich  gefährlichen, etwas väterlichen Rolle sei er einen Schritt zu weit gegangen. So hätte er nicht helfen dürfen.

Der Verrat flog im Herbst 2018 auf, als sich Studenten Dozenten anvertrauten. Daraufhin wurde der Regierungsrat suspendiert. An die Polizeihochschule kehrt er nicht mehr zurück. Ende dieses Jahres geht er in Ruhestand. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit Verteidiger Florian Berthold