• Foto: Harry Härtel/ Archiv

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Gastwirt erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei

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Ein Jahr nach dem Brandanschlag auf das türkische Restaurant „Mangal“ in Chemnitz gibt es noch immer keine Spur von den Tätern. Der Gastwirt wirft der Polizei Untätigkeit vor. Er habe keine Hoffnung, dass der Fall aufgeklärt werde, sagte Ali Tulasoglu in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur.

"Theoretisch macht die Polizei aus meiner Sicht gar nichts." Seine Mitarbeiter und er selbst seien mehrmals vorgeladen worden. Er frage sich aber, warum das Auto mit den Tatverdächtigen nicht gefunden worden ist, wo es doch so viele Verkehrskameras gebe, auch an der Kreuzung vor dem "Mangal". "Das macht uns ein bisschen Angst, wenn die Polizei, die uns von unseren Steuergeldern schützen soll, sich so blöd hinstellt", sagt Ali Tulasoglu.

Die Staatsanwaltschaft verweist darauf, dass die Ermittlungen noch laufen. Zu den bisherigen Ergebnissen werde man sich nicht äußern. Als Motiv wird Fremdenfeindlichkeit angenommen und ein Zusammenhang mit vorangegangenen Angriffen auf ein jüdisches sowie zwei persische Restaurants nicht ausgeschlossen - zumal sich alle Attacken binnen kurzer Zeit nach dem tödlichen Messerangriff durch Asylbewerber auf einen Deutschen Ende August 2018 ereigneten. Daher ermittele auch das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes. 

"Eine abschließende Beurteilung der Motivation der unbekannten Täter muss jedoch den weiteren Ermittlungen vorbehalten bleiben", betont Staatsanwältin Ingrid Burghart. Im Oktober hatten Unbekannte einen Brandsatz in das Lokal an der Straße der Nationen geworfen. Seitdem ist das Restaurant geschlossen.

Das "Mangal" war einst der Traum des Gastarbeiter-Sohnes. "Ich wollte immer ein schönes Restaurant haben." Original anatolische Küche wurde dort geboten. Im November 2019 ist davon nicht mehr als ein Werbeschild übrig geblieben. Einige der vom Dreck blinden Scheiben der Glasveranda sind gesprungen, in der Eingangstür ersetzt eine Sperrholzplatte die Scheibe, durch eine spaltweit geöffnete Schiebetür zur Terrasse hat der Herbstwind welke Blätter ins Innere gepustet. Die Wände im Lokal sind nackt, kein Putz verdeckt mehr die Steinmauern. (mit dpa)