Fußball-Legende Ede Geyer wird 80
Die Stimme noch ganz fest, die Sprüche weiterhin locker - Trainerlegende Eduard Geyer ist auch kurz vor seinem 80. Geburtstag am 7. Oktober noch so präsent wie früher auf dem Rasen oder der Trainerbank. „Beim Arzt sah es letztens ganz gut aus. Ich habe ein neues Knie, eine neue Hüfte, das Ersatzteillager wird nie geringer. Es ist aber gut, dass man nicht ganz bekloppt ist und sich einigermaßen noch was merken kann“, sagte der kommende Jubilar der Deutschen Presse-Agentur. „Wesentlich ist, dass man sich bewegen kann und klar ist. Und dass man das machen kann, wozu man Lust hat und die Familie funktioniert.“
Mit der Familie und ein paar Freunden und Bekannten - insgesamt rund 35 Personen - wird der letzte Nationaltrainer der DDR auch am kommenden Montag ein freudiges Fest feiern. „Für die Stimmung haben wir genügend Leute, die in der Lage sind, was zu präsentieren“, sagte der im schlesischen Bielsko-Biala geborene Geyer, der im Herrenbereich von 1962 bis 1975 lediglich für die drei Dresdner Vereine FC Einheit, FSV Lokomotive und Dynamo gespielt hatte und auch nach seinem aktiven Ende Dynamo als Trainer bis zur Wende treu blieb.
„Nach zehn Jahren den BFC Dynamo als Meister abgelöst zu haben“, zählt für „Ede“ Geyer ebenso zu den vielen Höhepunkten seiner Karriere wie der 2:0-Sieg über Belgien im letzten Länderspiel der DDR mit den in den neuen Bundesländern übrig gebliebenen Nationalspielern um Matthias Sammer.
Zehn erfolgreiche Jahre in Cottbus
Anschließend betreute der ehemalige Allrounder den ungarischen Erstligisten Bodajk FC Siófok und schaffte von 1992 bis 1994 mit Sachsen Leipzig den Aufstieg in die damals drittklassige Regionalliga. Mit Energie Cottbus schrieb Geyer dann von 1994 bis 2004 Geschichte: Von der Regionalliga ging es in der Saison 1999/2000 bis in die Bundesliga, dazwischen lag 1997 noch das DFB-Pokalfinale, dass der damalige Drittligist mit 0:2 gegen den VfB Stuttgart verloren hatte.
„Das sind alles Dinge, die irgendwie zeigen, dass man viele Dinge richtig gemacht hat. Vor allem auch deshalb, weil wir auch in Cottbus immer so ein bisschen an der Grenze gespielt haben“, sagte Geyer.
Premiere mit ausländischer Startelf
Aufgrund der wirtschaftlichen Nachteile in der Lausitz holte der Trainer viele Profis aus den umgebenden Ländern. „Ich komme mir vor wie ein Querschnittsgelähmter. Alle bedauern dich, aber keiner gibt dir was“, kommentierte Geyer die damalige finanzielle Situation, die auch dazu führte, dass er am 28. Spieltag der Saison 2000/2001 elf ausländische Spieler in der Startelf aufbot und auch bei den drei Wechseln kein deutscher Spieler im Cottbus-Trikot auflief.
Für seine Verdienste in Cottbus ehrte ihn auch Ministerpräsident Dietmar Woidke vor fünf Jahren - lange Zeit nach seinem Wirken. „Das hat die Lausitz, eine ganze Region, lange mit Stolz erfüllt. Die Stadt wurde über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus bekannt. Es ist genau das, was bleibt. Und zugleich mit Ihrem Namen verbunden ist“, sagte der SPD-Politiker. „Durchsetzungsstark und streitbar habe er seinen Jungs den Weg vorgegeben. Die Mentalität sei damals ein Markenzeichen des FC Energie geworden.“
Zwischen Entspannung und Ärger
Seine beiden Vereine Cottbus und Dynamo verfolgt Geyer auch weiterhin - zum Teil auch im Stadion. Allerdings sehe er die Spiele „nicht mehr so verbissen“. Von der Bundesliga bis zur Regionalliga mit den ganzen ostdeutschen Mannschaften wie Jena und Leipzig sei er auf dem Laufenden, doch so ganz bleiben die Emotionen doch nicht im Verborgenen: „Ich kann entspannt schauen, aber mich trotzdem über jede Menge ärgern.“
Neben den derzeit zum Teil nicht nachvollziehbaren Entscheidungen um Handspiele und Abseitsentscheidungen und rund um den VAR, dessen Einführung Geyer begrüßt hatte, sind es vor allem die theatralischen Einlagen mancher Profis, die ihm Sorgen bereiten.
Familie als feste Säule
„Der Fußball hat auch Ausstrahlung auf den Nachwuchs, das sind auch Erziehungsfragen. Die Jugendlichen sehen, wenn sich die Spieler auf dem Feld hinschmeißen oder einen Krampf simulieren oder von oben bis unten tätowiert sind und sich drei Mal in der Woche die Haare färben lassen“, sagte Geyer. Bereits die zu seiner Zeit aufkommende Mode bunter Fußballschuhe hatte der Trainer aufgrund der Sogwirkung auf den Nachwuchs kritisiert: „Da glauben manche Spieler, die laufen von ganz alleine wie der kleine Muck.“
Um durch diese Schule des Fußballs zu gehen - von der Kindheit bis zum abgezockten Profi - sieht Geyer nur eine Säule. „Du brauchst ein gesundes Umfeld und natürlich eine Familie, in der du bei Zoff deine Oase der Ruhe und des Verständnisses findest“, sagte er. „Das ist das Entscheidende.“