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Freie Wähler in Sachsen wittern Morgenluft

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Die Freien Wähler (FW) in Sachsen sind von ihrem erstmaligen Einzug in den Landtag überzeugt. „Durch die INSA-Umfragen sehen wir uns bestätigt. Diese Umfragen bilden aber noch lange nicht die positiven Reaktionen ab, die wir von den Menschen im Wahlkampf erfahren haben“, sagte Parteichef Thomas Weidinger der Deutschen Presse-Agentur. Der „sachorientierte und ideologiefreie Politikstil“ der FW komme an. Zuletzt waren sie in Umfragen bis auf vier Prozent gekommen. „Besonders optimistisch stimmt uns, dass uns die INSA bei der Umfrage vom 16. August ein Potenzial von 19 Prozent bescheinigt hat. Das gilt es jetzt auf den letzten Metern auszuschöpfen und daran arbeiten wir sehr hart.“

Parteichef: Wahl des Spitzenkandidaten ist voller Erfolg

Nach Darstellung von Weidinger hat sich auch die Wahl des Spitzenkandidaten als voller Erfolg erwiesen. „Matthias Berger kommt an. Die Menschen nehmen ihn als authentisch, ehrlich und anpackend wahr. Sein Macher-Image, das er sich als Krisenmanager bei den Jahrhunderthochwassern 2002 und 2013 erworben hat, ist den Leuten im Gedächtnis geblieben“, sagte Weidinger. Berger ist Oberbürgermeister von Grimma und parteilos. 

„Ich bin viel mit den Sachsen ins Gespräch gekommen. Das war sehr erfrischend. Man merkt schon, dass den Leuten das Vertrauen in die etablierten Parteien fehlt“, sagte Berger der dpa. Den Leuten sei es mittlerweile egal, von wem ihre Probleme gelöst werden. „Sie wollen, dass sie gelöst werden. Was mich wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass niemand mehr Bilanz zieht. Stattdessen wird man als Populist beschimpft, wenn man die Probleme klar anspricht.“ Das sei allerdings die Aufgabe einer Opposition. „Da muss es niemanden wundern, dass sich nichts ändert, wenn man sich den eigenen Versäumnissen nicht stellt.“

Spitzenkandidat hält Diskussion um Brandmauern für überflüssig

Berger hatte schon zuvor deutlich gemacht, dass er von Brandmauern gegen Parteien wie die AfD nichts hält. „Die Diskussion ist überflüssig. Früher gab es in Grimma sogar mal eine AfD/SPD-Fraktion. Solange sich die Leute im Rahmen der Demokratie bewegen, bleibt eine gute Idee eine gute Idee“, sagte er. Die Sachsen seien zu 70 Prozent konservativ eingestellt, normalerweise müssten CDU, AfD und Freie Wähler zusammenarbeiten. Bei einer Regierungsbeteiligung der FW werde es auf jeden Fall nur eine konservative Regierung geben. „Für uns zählen Werte wie Familie, Leistung und Zuverlässigkeit. Die Lösung liegt nicht in Parolen. Konservativ sein heißt, das Bewährte zu bewahren. Dafür stehen wir.“

Berger verwies auf die konkreten Vorschläge seiner Partei im Wahlkampf, darunter auf das duale Lehramtsstudium oder die Personalbremse in der Landesverwaltung. „Unsere Vorschläge mögen den Regierenden nicht gefallen, deswegen ignorieren sie diese. Aber wir lassen uns nicht abbringen von unserem Kurs eines schlanken Staates und des Aufbrechens von Verkrustungen. Ich selbst habe als Oberbürgermeister erfahren, dass sich Widerstände ergeben, wenn man unangenehme Dinge anpackt. In den letzten Tagen vor der Wahl geben wir nochmal ordentlich Gas.“ (dpa)