Finanzspritze für Sanierung am Poelzig-Bau
Bund und Freistaat unterstützen die Sanierung des sogenannten Poelzig-Baus an der Zwickauer Straße mit einer Finanzspritze. Für den Umbau des alten Heizhauses haben die Investoren jetzt Fördermittel in Höhe von 80.000 Euro erhalten. Das Geld stammt unter anderem aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm. In das alte Heizhaus zieht im kommenden Jahr eine Sportmedizin-Firma - im Erdgeschoss entsteht direkt neben dem Radweg ein Eiscafe. Mit Hilfe der Fördermittel soll insbesondere der Schornstein als ältestes noch erhaltenes Bauteil der Fabrikanlage erhalten werden. Hierfür wird der obere Bereich des Schornsteins abgetragen und die Schornsteinöffnung abgedeckt sowie das Ziegelmauerwerk neu verfugt. Im Bereich des Schornsteinsockels sind verschiedene statische Maßnahmen zum Erhalt der Standsicherheit notwendig. Der Schornstein soll gemeinsam mit dem Heizhaus und den noch zu sanierenden Gebäudeteilen sowie der bereits sanierten „Gelben Fabrik“ die ehemals industrielle Nutzung des Areals widerspiegeln. Die aus der Förderung mitfinanzierten denkmalpflegerischen Maßnahmen für das Heizhaus umfassen die Sanierung der südlichen und östlichen Klinkerfassaden und die Erneuerung von Fenstern und Türen. Die Poelzig Bau Projekt GmbH hat sich die behutsame Transformation eines ehemaligen Industrieareals zum Ziel gesetzt, das ganz wesentlich zur industriellen Geschichte der Stadt Chemnitz gehört. In den Jahren 1929 - 1933 war die Sigmund Goeritz A.G. das absolut tonangebende Damenwäscheunternehmen Deutschlands und erweiterte sich explosionsartig. Von der Bebauungsidee des Architekten Prof. Hans Poelzig, einen siebengeschossigen Hochhauskomplex entlang der Ulmen- und Zwickauer Straße zu errichten, wurde letztendlich ein viergeschossiges Teilstück genehmigt, das bis heute noch als Torso vorhanden ist. Im Mai 1938 wurde die Sigmund Goeritz AG zwangsweise in die Norddeutsche Trikotweberei AG in Berlin überführt, die später als Venus-Werke AG die NS-Zeit überstand und noch in der DDR als volkseigener Betrieb - VEB Trikotagenwerke Ideal und Betriebsteil des VEB Strickwaren Oberlungwitz - erhalten blieb. Nach der politischen Wende wurde die Produktion 1991 eingestellt. Die Gebäude stehen seitdem leer, wurden teilweise abgebrochen und deren Ausstattungen größtenteils entfernt. Nach jahrelangem Bemühen um den Erhalt der nunmehr maroden Gebäudesubstanz ist es seit 2007 einer privaten Investorengemeinschaft gelungen, den Abbruch zu stoppen und die historischen Gebäudeteile nach und nach zu revitalisieren.