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Experte: Erdbeben rings um Leipzig bis zu Stärke von 6 jederzeit möglich
Leipzig und das Umland spricht über Erdbeben. Das kleine am Dienstagabend mit einer Stärke von 3,2 war das größte in der Region seit vielen Jahren. Seismologe Lutz Sonnabend vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat uns die Gründe dafür erklärt. Und dass bei uns in Sachsen theoretisch noch viel stärkere Beben möglich seien - und es tatsächlich auch schon gegeben hat.
Darum bebt die Erde in der Region Leipzig alle paar Jahre
Laut Sonnabend sei das Beben am Dienstagabend sei ein klassisches tektonisches Erdbeben gewesen - „wie es in der Region immer wieder vorkommt“. Das Epizentrum habe etwa 25 Kilometer südlich der Stadt Leipzig zwischen Neukieritzsch und Groitzsch gelegen. Passiert sei das Beben in der sogenannten Leipzig-Regensburg-Zone. „Das ist eine aktive Erdbebenzone die sich, wie der Name schon sagt von Leipzig bis nach Regensburg zieht.“ Im Norden der Zone gebe es immer mal wieder klassische Beben, im Süden rings ums Vogtland die bekannten Schwarmbeben.
Die ganze mitteleuropäische Erdkruste steht laut Sonnabend dauerhaft unter Spannung. Im Süden würden sich die Alpen auffalten. „Das ist eine aktive Tektonik.“ Diese strahle „Spannung und Stress“ in die Kruste Richtung Norden aus. Dadurch könne es zu dem seltenen Phänomen der Intraplattentektonik kommen - also dass es nicht am Rand einer Platte, sondern irgendwo auf ihr Beben gibt. „Einfach, weil sich dieser Stress hier und da abbauen muss.“ Eine ähnliches Beispiel dafür sei auch der Rheingraben.
1872 gab´s bei uns schon mal ein Beben mit einer Stärke von 5,2 - möglich sind aber wohl bis zu 6!
Das größte dokumentierte Beben in unserer Zone habe es 1872 in der Nähe von Gera gegeben, so Sonnabend. „Das ist gesichert aufgezeichnet.“ Es hätte eine Magnitute, also Stärke von 5,2 gehabt. „Da hat es damals tatsächlich auch Schäden gegeben. Große Schäden an Gebäuden, zum Teil mit Einstürzen.“ Allerdings sei die Bausubstanz der Häuser damals auch nicht so gut wie heute gewesen.
„Die Magnitude 5,2 sind das stärkste, was wir hier gesichert wissen. Von anderen Platten-Intra-Aktivitäten wissen wir aber, dass es durchaus bis an eine Magnitude von 6 heranreichen kann“, erklärt Sonnabend weiter.
Erdbeben kann man nicht vorhersagen
Das Vorhersagen solcher Erdbeben ist laut dem Experten „grundsätzlich nicht möglich“ - weder an Kontinentalrändern noch innerhalb von Erdplatten. Das hätten viele Wissenschaftler jahrzehntelang erfolglos versucht. Es sei aber nicht gelungen, eine zuverlässige Erdbeben-Vorhersage zu entwickeln. „Der Stressaufbau geschieht geräuschlos und irgendwann kommt der Moment, wo die Erdkruste schlagartig nachgibt und die aufgesammelte Energie freigibt.“
