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  • Chefarzt PD Dr. Jurek Schultz bereitet einen chirurgischen Eingriff mit dem Versius-Operationssystem vor.

Erstmals in Deutschland: Kinder in Chemnitz mit Roboter-System operiert

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Chefarzt Jurek Schultz steht im grünen OP-Kittel am Operationstisch. Mundschutz, Haube, konzentrierter Blick. Direkt neben ihm ragen die beweglichen Arme des Versius-Roboters über den Patienten. Kabel, Instrumente und große OP-Leuchten bestimmen das Bild. Was ein wenig nach Hightech-Labor aussieht, ist am Klinikum Chemnitz jetzt medizinischer Alltag – und zugleich eine Deutschland-Premiere. Erstmals sind hier Kinder mit dem neuartigen Roboter-System operiert worden.

Fünf Millimeter für mehr Präzision

Drei junge Patienten haben die Ärzte bislang behandelt. Bei ihnen war der Übergang vom Nierenbecken zum Harnleiter verengt. Die Chirurgen lösten die Engstelle und schlossen den Harnleiter neu an die Niere an. Warum hilft dabei ausgerechnet ein Roboter? Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. In ihrem Körper liegen Organe und Gefäße auf engstem Raum. Schon wenige Millimeter können deshalb entscheidend sein.

Genau hier spielt Versius seine Stärke aus. Während Zugangskanäle für andere OP-Roboter meist acht bis zwölf Millimeter dick sind, kommen in Chemnitz so genannte Trokare mit nur fünf Millimetern Durchmesser zum Einsatz. Damit sind die Schnitte deutlich kleiner. Die beweglichen Arme sind in flexiblen Modulen steuerbar und lassen sich sehr genau platzieren. Eine dreidimensionale Sicht hilft dem Operateur zusätzlich bei der Orientierung.

„Diese Art der Präzision geht nur mit der Unterstützung des Roboters“, sagt Chefarzt Jurek Schultz. Die Patienten profitierten von „sehr, sehr kleinen Zugangskanälen, damit kleinen Hautwunden und großer Präzision im Bereich von Millimeterbruchteilen“.

Der Roboter operiert nicht allein

Trotz seines Namens arbeitet das System keineswegs selbstständig. Der Arzt behält die Kontrolle und führt jede Bewegung aus. Der Roboter überträgt diese lediglich besonders fein auf die Instrumente. Für die Kinder können kleinere Schnitte, weniger verletztes Gewebe, geringerer Blutverlust und weniger Schmerzen nach der Operation Vorteile bringen. Auch die Erholung kann dadurch schneller verlaufen.

Das Klinikum nutzt Versius bei Erwachsenen bereits seit 2021. Nachdem das System im Januar 2026 auch für die Kinderchirurgie in der Europäischen Union zugelassen worden war, bereitete sich das Chemnitzer Team intensiv auf die ersten Eingriffe vor. Unterstützung kam dabei vom Londoner Kinderurologen Pankaj Mishra.

Chemnitz will die Technik weiter ausbauen

Künftig soll der Roboter auch bei angeborenen Fehlbildungen, komplizierten Operationen im Bauchraum und bei Tumoren zum Einsatz kommen. Für Schultz bedeutet das auch kürzere Wege für betroffene Familien. „Für diese und andere Operationen, die eine extreme Präzision erfordern, müssen unsere Patienten nicht mehr lange Reisen auf sich nehmen.“

Und damit bekommt das Foto aus dem Operationssaal eine besondere Bedeutung: Zwischen OP-Lampen, grünen Tüchern und Roboterarmen steht weiterhin der Mensch im Mittelpunkt. Die Technik ersetzt den Chirurgen nicht. Sie macht seine Hände noch ein Stück präziser.