++ EIL ++

Erste Krankenhäuser überlastet: Klinikum Chemnitz bereitet Pandemie-Betrieb vor

Zuletzt aktualisiert:

Das Chemnitzer Klinikum bereitet sich auf einen verstärkten Pandemie-Betrieb vor. Die ersten Stationsteile werden bereits geschlossen, einige Bereiche allein zur Behandlung von Corona-Patienten vorbereitet, sagte Thomas Grünewald, Chef der sächsischen Impfkommission und Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz. Bei 180 Covid-19-Patienten auf sächsischen Intensivstationen greift die sogenannte Vorwarnstufe. „Davon sind wir mit aktuell 172 intensivpflichtigen COVID-Patienten sachsenweit nicht mehr weit entfernt“, so Grünewald.

Die Entwicklung hat unmittelbare Folgen für die Krankenhäuser in der Region: Da die Versorgung von Corona-Patienten einen höheren Personaleinsatz erfordert, muss mehr Personal für diese Bereiche zur Verfügung gestellt werden. Dies ist erneut mit Einschränkungen bei einem Teil der elektiven, also planbaren, Patientenbehandlungen verbunden. Gleiches gilt für die Reduzierung des OP-Programms. Einige Operationen müssen also verschoben werden. Die Anpassungen werden stufenweise erfolgen, entsprechend der Entwicklung der Pandemie-Lage.

Im Erzgebirgskreis und in Mittelsachsen seien die ersten Krankenhäuser bereits überlastet, so Grünewald.

„Die große Mehrheit der SARS-CoV-2-Infizierten in Krankenhäusern ist nicht vollständig geimpft, auf Normalstation sind es etwa 85 bis 90 Prozent, auf den Intensivstationen sogar mehr als 95 Prozent“. Wer trotz Impfung ins Krankenhaus müsse, habe in der Regel Risikofaktoren wie eine Vorerkrankung, die die Immunantwort des Körpers auf die Impfung reduziert. Deshalb rate er gerade diesen Bevölkerungsgruppen zur empfohlenen Auffrischungsimpfung bzw. zu einer erweiterten Grundimmunisierung. Auch allen anderen, die noch nicht geimpft sind, empfiehlt der Infektiologe, dies schnell nachzuholen. „Die Impfung wirkt, das zeigen die Zahlen. Je nach Impfstoff dauert es jedoch zwischen zwei und sechs Wochen, bis der vollständige Impfschutz vorhanden ist.“ Bei der derzeitigen Lage sollte man also nicht zu lange zögern. Auch, wenn die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz vor Infektionen bietet, reduziert sich das Risiko bei über 60-Jährigen um den Faktor 12, einen schweren Verlauf zu erleiden. Die Booster-Impfung reduziert das Risiko zusätzlich nochmals um den Faktor 3 bis 11. Die Impfung biete daher eine sehr hohe Sicherheit für den Geimpften.

Wie heftig die vierte Pandemie-Welle werden und die Krankenhäuser belasten wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Dies hänge neben einer möglichst hohen Zahl an Geimpften auch von jedem Einzelnen ab, so Dr. Grünewald und erinnert daran: „Die Schutzmaßnahmen wie das korrekte Tragen von Mund-Nasen-Schutz, Abstandhalten und regelmäßige Händehygiene sollten weiterhin unbedingt eingehalten werden.“