Meisterstück sächsischer Uhrmacherkunst nach über 70 Jahren zurück in Bautzen

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Ein Meisterstück sächsischer Uhrmacherkunst ist nach mehr als 70 Jahren wieder nach Bautzen zurückgekehrt. Es handelt sich um das Tourbillon Nummer 41.000 aus der Taschenuhrensammlung des Bautzener Unternehmers Otto Weigang. Er hatte die Kollektion  vor über 100 Jahren der Stadt geschenkt. Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Sammlung gestohlen. Von den 19 Uhren tauchte eine vor drei Jahren wieder auf.

Die Geschichte beginnt in einer Kaserne in Leißnig bei Leipzig. Während des Zweiten Weltkrieges wurden  in einem Pferdestall vier  LKW-Ladungen mit Kunstwerken aus der Weigangschen Sammlung eingelagert.  Nach Kriegsende kamen Soldaten und auch Einwohner. Sie plünderten die Schätze – und auch die Uhrensammlung mit dem Tourbillon. Erst mehr als 20 Jahre später tauchte die Uhr wieder auf, so der Bautzener Museumsdirektor Jürgen Vollbrecht - erst bei einem Uhrmachermeister in Thüringen und am selben Tag im Jahr 1976 in München.

  Die Taschenuhr tauchte dann bei Auktionen 1981 und 1990 auf – und schließlich sollte sie vor drei Jahren bei Sotheby’s in Genf versteigert werden. Bautzen bekam davon Wind und schaltete den Anwalt Ulf Bischof  ein. Der Berliner nahm Kontakt zu den Eigentümern auf, einer Erbengemeinschaft. "Die Vorbesitzer wussten nichts von der Vorgeschichte der Uhr. Wir haben schnell einen guten Kontakt gefunden. Die Familie war bereit, dem Bautzener Museum entgegenzukommen."

Über den Rückkaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Nur so viel: Sachsen und die Kulturstiftung der Länder beteiligten sich mit 400.000 Euro. Hinzu kamen private Spenden.   Nun ist das filigrane Meisterwerk wieder zurück. Der 1900  von  Lange&Söhne in Glashütte hergestellte  Zeitmesser gehört zu den wertvollsten Taschenuhren der Welt.  "Es ist auch aus heutiger Sicht ein Hightec-Stück", so Vollbrecht.

 Die Taschenuhr wird freilich wie ein rohes Ei behandelt. Sie ist immer noch funktionsfähig,  bescheinigt ein Gutachten. Sie könnte also laufen, wird aber nicht aufgezogen. Schmiermittel in der Uhr könnte klumpen und zu Beschädigungen führen.Das Meisterstück kann demnächst in der Dauerausstellung des Bautzener Stadtmuseums bewundert werden.

Tourbillon heißt wörtlich übersetzt Wirbelwind. Es ist eine Vorrichtung, bei der das Schwing- und Hemmungssystem einer mechanischen Uhr sich um seine Achse dreht, um eine weniger lageabhängige Ganggenauigkeit zu erreichen (Quelle: Wikipedia)

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Reporter Knut-Michael Kunoth