Ein Angebot aus Görlitz an Alstom
Der Betriebsrat des Waggonbaus Görlitz will auf den künftigen Besitzer Alstom zugehen. Aus der Region heraus sollte ein Angebot formuliert werden – gemeinsam mit Kommunal- und Landespolitikern und der Wirtschaftsförderung der Stadt und des Landkreises. Es gehe darum, die hohe Kompetenz und Motivation der Mitarbeiter herauszustellen und die Chancen für den Konzern in der Lausitz, sagte uns Betriebsratsvorsitzender René Straube.
„Für Alstom können sich in der Region neue Felder eröffnen, und zwar im Zusammenhang mit der Energie- und der Verkehrswende.“ Straube verwies auf den geplanten Eisenbahntestring in Niesky und die Elektrifizierung der Strecken Dresden – Görlitz und Cottbus – Görlitz. Die Region sei schlagkräftig aufgestellt, so Straube mit Blick auf die anderen Schienenfahrzeugstandorte Bautzen, Niesky und Vetschau. „Die Lausitz könnte eine Boom-Region für die Branche werden“, ist der Görlitzer Betriebsrat überzeugt.
Straube rechnet im Laufe des ersten Quartals kommenden Jahres mit der Übernahme der deutschen Bombardier-Werke durch den Alstom-Konzern. Die Franzosen haben den Erhalt der Standorte in Aussicht gestellt. Der eine wie der andere habe viele Aufträge zu erledigen. „Wir werden alle brauchen“, so Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge. Alstom betreibt in Deutschland schon ein Werk in Salzgitter.
Vom neuen Hausherren erwartet der Görlitzer Betriebsrat, dass er den Investitionsstau löst. Seit 1998 sei überwiegend nur Werterhaltung betrieben worden. Straube spricht von „Bagatellinvestitionen“. „Wir brauchen neue Plattformen und neue Fahrzeuge.“ Der Hof ist vollgestellt mit rohbaufertigen Doppelstockwagen für die Schweiz. Der Auftrag sei einerseits eine Lebensversicherung, andererseits gebe es Probleme mit der Abnahme. Im Werk in Villeneuve erfolgt der Innenausbau. Aber dort stockt es. Die Schweiz nehme coronabedingt die Wagen nicht ab. Deshalb ist in diesem Bereich in Görlitz Kurzarbeit angesagt. Ansonsten haben die Beschäftigten zu tun. Es werden zum Jahresende noch rund 900 sein und damit 300 weniger als vor einem Jahr. Viele Leiharbeiterverträge wurden gekündigt. Festangestellte Beschäftigte haben über ein Freiwilligenprogramm das Werk verlassen.
Görlitz kann mit einer langen Tradition im Waggonbau punkten und hat frühzeitig auf Innovationen gesetzt. So war der Standort einer der ersten, der die Aluminiumfertigung im Schienenfahrzeugbau eingeführt hat. Die Bauweise gilt als innovativ, weil energieeffizient, schall- und wärmedämmend. Das könnte eine Trumpfkarte für Görlitz sein.