++ EIL ++

Drahtzieher von Oberlausitzer Drogenring nennt Ross und Reiter - Bewährungsstrafe

Zuletzt aktualisiert:

Er hat reinen Tisch gemacht, Ross und Reiter genannt – nun hofft der Kopf eines Drogenrings in der Oberlausitz auf ein mildes Urteil. Einem 30-Jährigen aus Ebersbach-Neugersdorf wird zur Stunde am Landgericht Görlitz der Prozess gemacht. Es geht um über 20 Kilogramm Marihuana.

Der Angeklagte hatte Kuriere und Verteiler angeworben, darunter seine zwei Halbbrüder. Sie holten die Drogen aus Tschechien und brachten die Ware zu Händlern nach Görlitz und Bautzen, die das Marihuana an Konsumenten verkauften. Die Polizei stellte beim Angeklagten einen Playstation-Chatverlauf mit Namen, Absprachen und Mengen sicher.  „Das Korsett für unsere weiteren Ermittlungen“, so Staatsanwalt Christopher Gerhardi.

Euros in Kronen beim Chinesen getauscht

Der Angeklagte nannte die Klarnamen und gab auch die Bezugsquelle in Liberec  (Reichenberg) preis. Ein Kilo Marihuana wechselte für umgerechnet 5.500 Euro den Besitzer. Dabei verlangte der tschechische Verkäufer, das Geschäft in Kronen abzuwickeln. Die Kuriere tauschten die Euro-Beträge entweder im Globus-Markt in Liberec ein oder bei einem „Chinesen in Großschönau“.

Die Drogen wurden über die Verteiler an Konsumenten in Görlitz und Bautzen gebracht, zum Preis von zehn Euro pro Gramm. Der Angeklagte verkaufte das Kilo für 10.000 Euro und strich einen Gewinn von rund 2.000 Euro  pro Kilo und Fahrt ein. Mehr als zweieinhalb Jahre betrieb er den Drogenhandel.

Welle von Ermittlungsverfahren

Der Angeklagte legte ein umfassendes Geständnis ab. Er nannte erneut die Namen seiner Kuriere und Verteiler. Gegen sie wird  ermittelt. Erste Anklagen liegen vor. Weitere Verfahren gegen Abnehmer folgen.  Der Angeklagte sei der Schlüssel zu einem größeren Ermittlungskomplex, sagte Staatsanwalt Christopher Gerhardi.  Er habe inzwischen eine 180-Grad-Wende vollzogen.

Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft kümmert er sich um seine schulpflichtige Tochter. Er nehme keine Drogen mehr und habe mit der Szene gebrochen. Anfang Dezember tritt  der gelernte Verfahrensmechaniker eine unbefristete Stelle als Montageschlosser an.  „Ich bin froh, dass alles zu Ende ist“, sagte der Angeklagte.

Das Urteil: zwei Jahre auf Bewährung. Es wird in einer Woche rechtskräftig. Vorausgegangen war ein sogenanntes Rechtsgespräch der Prozessparteien. Sie hatten sich bei einem umfassenden Geständnis des Angeklagten und seiner Kooperation in weiteren Strafverfahren gegen andere Beschuldigte auf eine Bewährungsstrafe verständigt.