- Windkraft Chemnitz: Die Stadt lehnt mehrere geplante Standorte ab. Seltene Vögel, Wälder und Naturschutz spielen dabei eine wichtige Rolle.
Der Wendehals bremst Windpark-Pläne
Wied-wied-wied… wied-wied-wied... wied-wied-wied... Vielleicht ist das der neue Schlachtruf aller Windkraftgegner. Sie empören sich lauthals mit dem Ruf des Wendehalses.
In Brehms Tierleben liest man: „Mit aufgesträubten Kopffedern und halb geschlossenen Augen dehnt er den Hals zu besonderer Länge aus und dreht ihn wie eine Schlange ganz langsam, so daß der Kopf währenddem mehrmals im Kreise umgeht und der Schnabel dabei bald rückwärts, bald vorwärts steht.“ Und an anderer Stelle: „Jedes Ungewohnte bewegt ihn, Grimassen zu schneiden, und diese werden um so toller, je mehr der Vogel durch irgend eine Erscheinung in Furcht versetzt worden ist.“
Damit sind wir bei der Angst. Die haben viele Chemnitzer, wenn es darum geht, dass ihnen riesige Windräder vor die Tür gesetzt werden. Gerade hat der regionale Planungsverband vorgelegt, wo er welche Rotoren zu platzieren gedenkt. Doch aus der Stadtverwaltung heißt es nur sinngemäß: Habt ihr ’nen Vogel? Was soll aus dem Wendehals werden, der in Mittelbach beheimatet ist...
Fakt ist: Die Stadtverwaltung – namentlich Baubürgermeister Thomas Kütter – lehnt die Gedankenspiele weitgehend ab. Ein Grund: der Wendehals.
Seltene Vögel gegen neue Windräder
Der Planungsverband Region Chemnitz muss bis 2032 zwei Prozent seiner Fläche für Windkraft ausweisen. Zum Verband gehören Chemnitz und vier umliegende Landkreise. Die Stadt hat nun zahlreiche Einwände gegen die vorgeschlagenen Flächen vorgebracht.
Bei Wittgensdorf betrifft das die Pezenburgteiche. Dort brüten unter anderem Rotmilan und Baumfalke. Der Bereich gilt außerdem als möglicher Brutplatz des Kranichs. Wanderfalken jagen dort, am Klärteich gibt es eine kleine Lachmöwenkolonie. Aus Sicht der Stadt sind Windräder an diesem Standort voraussichtlich nicht genehmigungsfähig.
Auch drei Flächen nördlich der A4 sollen aus dem Plan verschwinden. An den dortigen Fischteichen rasten unter anderem Bekassine und Zwergschnepfe.
Wendehals in Mittelbach
Noch länger ist die Liste bei Mittelbach. Dort liegt ein fast acht Quadratkilometer großer Landschaftsraum, der bislang kaum durch Straßen oder Bebauung zerschnitten wird. In dem Gebiet leben unter anderem Rotmilan und Schwarzmilan. Auch Wachtelkönig, Eisvogel und eben der Wendehals werden genannt. Teile rund um den Stärkerwald sollen unter Naturschutz gestellt werden. Windräder würden nach Einschätzung der Stadt Lebensräume zerschneiden und das Landschaftsbild verändern. Deshalb lehnt sie mehrere Teilflächen ab.
Warum Chemnitz Windräder im Wald kritisch sieht
Besonders ausführlich begründet das Rathaus seine Bedenken gegen Windkraftanlagen im Wald.
Wälder seien für Chemnitz nicht nur Holzlieferanten. Sie kühlen ihre Umgebung, spenden Schatten und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Damit helfen sie nach Einschätzung des Stadtplanungsamtes, die Aufheizung der Großstadt zu begrenzen. Gleichzeitig dienen sie vielen Chemnitzern als Erholungsraum. Gerade deshalb will die Stadt eine zusätzliche technische Nutzung der Wälder möglichst vermeiden.
Galgenberg fehlt ausgerechnet im Plan
Ganz anders sieht es am Galgenberg aus. Dort stehen bereits sieben Windräder – doch dieser bestehende Windpark fehlt im neuen Entwurf. Die Stadt hält das für nicht nachvollziehbar. Sie will den Standort sichern, modernisieren und erweitern. Zwei zusätzliche Windräder östlich der A72 sind bereits genehmigt. Auch eine Erweiterung nach Westen wird untersucht. Nach Ansicht der Verwaltung ist es in der Regel verträglicher, bestehende Anlagen durch leistungsfähigere zu ersetzen, als neue Standorte zu erschließen.
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