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Der Mann hinter „Chemnitz live“

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Was bewegt die Menschen? Sind es große Ereignisse, die Schlagzeilen aus Deutschland und der Welt – oder einfach die kleinen, kuriosen Momente, die vor unseren Haustüren passieren? Wer die Facebook-Gruppe „Chemnitz live“ besucht, bekommt genau diese kleinen Momenten ganz schnell und authentisch.

Vom Hobbyprojekt zum Seismografen der Stadt

Angefangen hat alles als kleine Plattform für nachbarschaftlichen Plausch. Heute ist sie ein Spiegelbild der Stadtgesellschaft: echt, widersprüchlich, bunt – mit allem, was dazugehört. Von Kinderlachen bis Stammtischparolen.

Der Mann hinter der Gruppe

Hinter „Chemnitz live“ steht Harald Deckow, ein Versicherungskaufmann. Er erinnert sich: „2018 hat mich der Fall Daniel H. bewegt. Ich wollte eine Plattform ins Leben rufen, in der – im Gegensatz zu anderen Gruppen in Chemnitz – wirklich jeder zu Wort kommen kann, solange er sich an die Regeln hält.“

Eine Erfolgsidee! Heute zählt „Chemnitz live“ fast 38.000 Mitglieder – sie ist die erfolgreichste Gruppe der Stadt: 10.000 Beiträge im Monat, bis zu 500.000 erreichte Nutzer, an guten Tagen sogar 20.000 Klicks. „Chemnitz live“ ist kein Nischenprojekt – es ist ein digitales Wohnzimmer für eine ganze Stadt.

Neben Deckow sorgen Jenny Schwarz, Sandra B., Dani Wedel und Peter Lieffertz als Moderatoren dafür, dass es lebendig bleibt, aber nicht aus dem Ruder läuft. Geld gibt es dafür nicht, aber Likes – und hin und wieder eine Spende. Deckow: „Wenn jemand etwas spenden will, weil wir ihm geholfen haben, freuen wir uns. Wir arbeiten seit langer Zeit mit dem Kinderverein Langfristigplanen e.V. zusammen und führen gemeinsam in Chemnitz die Aktion Sucht das Osternest durch.“

Wenn Fremde plötzlich füreinander da sind

Was die Moderatoren besonders freut? Wenn Menschen einander helfen. Ob jemand etwas sucht, etwas anbietet oder einfach nur jemanden zum Reden braucht – oft dauert es keine zehn Minuten, bis jemand reagiert. Das ist Chemnitz, wie man es selten sieht.

Hier darf gesagt werden, was auf der Seele brennt

Während anderswo darüber diskutiert wird, wie man diskutiert, geht’s hier einfach los. Die Idee dahinter: Was dich stört oder freut, könnte auch andere bewegen. Deckow: „Politisch klar: Wer ganz rechts oder ganz links unterwegs ist, hat es schwer, hier heimisch zu werden. Die Mitte gehört denen, die reden – nicht brüllen.“

Zwischen Blaulicht, Blitzeis und Blümchen-Fotos

Hier kommt alles zusammen: Verkehrsunfälle, plötzliche Gewitter, Polizeieinsätze – aber auch entlaufene Hunde, verlorene Schlüssel und spontane Straßenmusik. Die Mischung macht’s. Mal ernst, mal lustig, mal nachdenklich. Alles live.